Deutscher Medienpreis Neurologie 2021: Ausgezeichnete Beiträge von Katrin Ewert und Dr. Astrid Viciano

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Seit 2008 schreibt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) den „Deutschen Medienpreis Neurologie“ aus, der anlässlich des DGN-Kongresses verliehen wird.Mit dem Preis werden einmal jährlich zwei Medienschaffende ausgezeichnet, die medizinisch, gesellschaftlich und gesundheitspolitisch relevante, laienverständliche und aufklärende Beiträge zu einem neurologischen Thema veröffentlicht haben.  In diesem Jahr erhielten Katrin Ewert („Planet Wissen“/WDR) und Dr. Astrid Viciano („Süddeutsche Zeitung“) die hohe Auszeichnung.

Der Deutsche Medienpreis Neurologie wird jährlich ausgeschrieben und ist mit 2 x 2.500 Euro dotiert. In diesem Jahr hatten sich 31 Medienschaffende um den Preis beworben. Erhalten haben ihn zwei Journalistinnen, deren Beiträge ganz unterschiedliche „Genres“ abdecken. Auf der heutigen Pressekonferenz zum DGN-Kongress hob DGN-Pressesprecher Prof. Hans-Christoph Diener, Essen, hervor, dass beide Beiträge neurologischen Themen in besonders hoher journalistischer Qualität bearbeitet haben und dazu beigetragen haben, neurologische Themen in den öffentlichen Diskurs zu Tragen.

Pressemitteilung zum Download

Katrin Ewert, freie Wissenschaftsjournalistin M.A., hatte für die Informations- und Bildungssendung „Planet Wissen“ einen dreiteiligen Hintergrundtext zum Thema Epilepsie eingereicht, der auf der Internetseite der Sendung abrufbar ist. Teil 1 beleuchtet die Krankheit in ihren Facetten und erklärt, wie sie diagnostiziert wird. Teil 2, „Leben mit Epilepsie“, thematisiert bei der Therapie sowohl die medikamentöse Behandlung als auch die Frage, welche Patientinnen und Patienten von einer Operation profitieren. Aber auch die Alltagsfragen von Betroffenen werden fokussiert: Wie lebt es sich mit der Erkrankung? Was ist erlaubt, was nicht? Darf ich z.B. Alkohol trinken, wie gehe ich mit Stress um? Wichtige Fragen rund um Kinderwunsch und Verhütung werden beatwortet. Teil 3 beschäftigt sich umfassend mit Epilepsie bei Kindern. „Uns hat begeistert, wie Frau Ewert den Lesern ein schwieriges neurologisches Krankheitsbild verständlich, aber in allen relevanten Details und Informationen nahebringt“, erklärt Prof. Diener. „Der Artikel ist eine Blaupause für Gesundheitsinformation und Aufklärung auf höchstem wissenschaftsjournalistischem Niveau.“

Die zweite Preisträgerin, Dr. Astrid Viciano, Ärztin und freiberufliche Medizinjournalistin, hat für die Süddeutsche Zeitung ein Thema bearbeitet, das vor allem gesundheitspolitische und ethische Fragen aufwirft. Unter dem Titel „Der Wert des Lebens“ beschreibt sie den Segen der Gentherapie für Kinder, die an spinaler Muskelatrophie (SMA) erkrankt sind, und ihre Familien. Das Medikament Zolgensma bremst den Muskelschwund der Patientinnen und Patienten, verbessert die motorische Entwicklung und verlängert das Leben. Es könnte den Gendefekt beheben, der die Krankheit auslöst: eine Mutation des SMN1-Gens, die zu einem Mangel an funktionsfähigen SMN („survival of motor neuron“)-Proteinen führt. Doch der Erfolg dieser Gentherapie wird teuer erkauft: Eine Gabe des Medikaments kostet in den USA 2,1 Mio. Dollar – es ist die teuerste Therapie der Welt. Dabei gibt es keine Langzeitdaten, die einen dauerhaften Therapieerfolg bestätigen. Auch das seit 2017 zugelassene Nusinersen, ein SMN-Antisense-Oligonukleotid (ASO), schlägt mit Jahrestherapiekosten von einer halben Million Euro zu Buche – gilt aber dennoch als wissenschaftlicher Durchbruch. Es gibt kaum ein anderes Fach, in dem so viele innovative Therapien zur Marktreife gebracht wurden wie in der Neurologie. Allerdings eröffnet das auch ein Spannungsfeld zwischen Innovation und Finanzierbarkeit. Dr. Viciano beleuchtet in ihrem Artikel nicht zuletzt die Tabufrage, wie viel die Rettung eines Menschenlebens kosten darf. „Der Preisträgerin ist es gelungen, dieses Spannungsfeld abzubilden und die verschiedenen Perspektiven zusammenzuführen“, so Prof. Diener. „Es ist nun Aufgabe der Gesundheitspolitik, Lösungen herbeizuführen, damit diese Therapieinnovationen auch in den klinischen Alltag Eingang erhalten können.“

Pressekontakt

Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
c/o Dr. Bettina Albers, albersconcept, Jakobstraße 38, 99423 Weimar

Tel.: +49 (0)36 43 77 64 23
Pressesprecher: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen
E-Mail: presse@dgn.org

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als wissenschaftliche Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren über 10.700 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern und zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org

Präsident: Prof. Dr. med. Christian Gerloff
Stellvertretender Präsident: Prof. Dr. Gereon R. Fink
Past-Präsidentin: Prof. Dr. med. Christine Klein

Generalsekretär: Prof. Dr. Peter Berlit
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter
Geschäftsstelle: Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin, Tel.: +49 (0)30 531437930, E-Mail: info@dgn.org

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