Vakzine-induzierte immunogene thrombotische Thrombozytopenie (VITT)

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In Zusammenhang mit Covid-19-Impfungen sind sehr seltene unerwünschte Nebenwirkungen mit thrombotischen Ereignissen, überwiegend Sinus- und Hirnvenenthrombosen, in einigen Fällen aber auch primäre intrazerebrale Blutungen und arterielle Verschlüsse zerebraler Gefäße aufgetreten. A. Greinacher und Kollegen, Universitätsklinik Greifswald, haben dafür einen Mechanismus herausgearbeitet, der an eine Heparin-induzierte Thrombozytopenie mit Antikörperbildung gegen Plättchenfaktor 4 (PF4) erinnert, aber nicht identisch ist (Greinacher A, et al. Thrombotic Thrombocytopenia after ChAdOx1 nCov-19 Vaccination. NEJM 2021; April 9, 2021. DOI:10.1056/NEJMoa2104840). 

Leider ist der in vielen Laboren kommerziell angebotene HIT-Schnelltest zum Nachweis von PF4-Antikörpern nicht sensitiv für die Vakzine-induzierten Antikörper. Dies bedeutet, ein negatives Ergebnis im eigenen Labor schließt das Vorliegen von PF4-Antikörpern nach Covid-19-Immunisierung nicht aus. Bitte halten Sie Rücksprache mit Ihrem Labor, ob in diesem Sinne falsch negative Befunde zu erwarten sind, und senden Sie insbesondere bei Vorliegen einer Thrombozytopenie einen PIPA-Test in ein geeignetes Labor. Aktuelle Informationen zu diesem Test finden Sie auf der Website der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung: https://gth-online.org/

Bitte melden Sie weiterhin Sinus- und Hirnvenenthrombosen, intrazerebrale Blutungen und zerebrale Ischämien in zeitlichem Zusammenhang mit einer Covid-19-Impfung!

Eine Task Force der DGN hat in Zusammenarbeit mit dem Paul-Ehrlich-Institut einen Fragebogen zu den thrombotischen Impfkomplikationen nach Covid-19-Immunisierung entwickelt. Ein positives Datenschutzvotum und ein Ethik-Votum liegen vor.  Alle Neurologischen Kliniken in Deutschland sind aufgefordert, Fälle von Sinus- und Hirnvenenthrombosen, intrazerebralen Blutungen oder zerebralen Ischämien in zeitlichem Zusammenhang mit einer Covid-19-Impfung fortlaufend zu melden. Der Fragebogen sollte einmal pro Fall aufgerufen werden.

Der Link ist: https://soscisurvey.ukaachen.de/sosci/DGN-CoV-IS/

Parallel müssen die Patienten weiterhin auch über die Gesundheitsämter an das PEI gemeldet werden. Ein Link für diesen Meldebogen ist in dem Fragebogen enthalten.

Prof. Dr. med. Peter Berlit
Generalsekretär
Schriftleiter DGNeurologie
Deutsche Gesellschaft für Neurologie
Reinhardtstr. 27 C
10117 Berlin
T: +49 (0)30 – 531 43 79 33
F: +49 (0)30 – 531 43 79 39
E: berlit@dgn.org

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