Update der Leitlinie „Diagnostik und Differenzialdiagnose bei Myalgien“

Prof. Dr. Dieter Heuß hat die Arbeit der Leitliniengruppe koordiniert. © Universitätsklinikum Erlangen

3. Februar 2020 – Die S1-Leitlinie „Diagnostik und Differenzialdiagnose bei Myalgien“ (AWMF-Registernr.: 030/051) wurde unter Federführung von Prof. Dr. Dieter Heuß, Erlangen, vollständig überarbeitet. Sie ist bis Januar 2025 gültig.

Myalgien sind Schmerzempfindungen in der Muskulatur, die durch zahlreiche neurologische und andere Erkrankungen verursacht werden können. Seltener ist eine primäre Schädigung des Skelettmuskels die Ursache. Muskelschmerzen sind grundsätzlich behandelbar und sollten erkannt werden. Die S1-Leitlinie „Diagnostik und Differenzialdiagnose bei Myalgien“ soll helfen, das diagnostische Vorgehen zu planen. Sie richtet sich insbesondere an Neurologen, aber auch an Ärzte anderer Fachrichtungen.

Myalgien: meist Symptom anderer Erkrankungen

Bei belastungsabhängigen Myalgien steigt die diagnostische Aussagekraft einer Muskelbiopsie, wenn Symptome wie Myoglobinurie, „second wind“-Phänomen, Muskelschwäche, Muskelhypertrophie bzw. Atrophie oder eine positive Familienanamnese für eine neuromuskuläre Erkrankung bestehen.

Bei Verdacht auf eine Carnitin-Stoffwechselstörung stellt die Untersuchung des Carnitins und der Acylcarnitine im Serum mit Tandem-Massenspektrometrie derzeit die umfassendste und kosteneffizienteste Untersuchung dar. Sie sollte einer invasiven Diagnostik vorausgehen.

Myalgien sind eine wichtigte Muskel-assoziierte Nebenwirkung von Statinen. Sie werden durch bestimmte Genvarianten begünstigt. Eine Statin-Therapie kann kontrolliert in gleicher oder reduzierter Dosis fortgeführt werden, wenn tolerierbare oder keine Muskelsymptome und ein Kreatinphosphokinasewert (CPK) < des 10-Fachen der oberen Norm vorliegen. Beendet werden sollte sie bei intolerablen Symptomen, einer CPK-Erhöhung über das 10-Fache der Norm bzw. bei einer klinisch relevanten Rhabdomyolyse. Bei Patienten, die unter Therapie mit Statinen eine progrediente proximale/axiale Schwäche, Dysphagie oder Myalgien erleiden und sehr stark erhöhte CPK-Werte aufweisen, muss an eine immunvermittelte nekrotisierende Myopathie gedacht werden. Das Absetzen der Statine führt nicht zur Rückbildung der Symptome, die meisten Patienten benötigen eine immunsuppressive Therapie.

Bei der Anamnese ist außerdem zu beachten, dass Medikamente wie Makrolidantibiotika und Ciclosporin sowie Grapefruitzubereitungen Myalgien/Myopathien verursachen können, wenn sie zeitgleich mit Statinen eingenommen werden.

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