Status epilepticus: Leitlinie auf dem neuesten Stand

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Der Status epilepticus stellt einen häufigen neurologischen Notfall dar. Die Therapie ist aber bislang noch uneinheitlich und hängt stark vom jeweiligen Land, aber auch von der therapierenden Fachgruppe ab. Um die Behandlung des Status epilepticus in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu verbessern und zu vereinheitlichen, hat die DGN die S2k-Leitlinie „Status epilepticus im Erwachsenenalter“ (AWMF-Registernr.: 030/079) neu aufgelegt. Prof. Dr. Felix Rosenow, Frankfurt, und Prof. Dr. Jörg Weber, Klagenfurt, haben die Leitlinienarbeit koordiniert.

Die Leitlinie richtet sich an Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen, die in unterschiedlichen klinischen Kontexten mit der Notfall-, Erst- und/oder Folgeversorgung von erwachsenen Patienten mit Status epilepticus befasst sind. Sie dient auch dazu, Laienhelfer zu beraten und zu informieren.

Zur Leitlinie "Status epilepticus im Erwachsenenalter"

An der pragmatischen Definition einer Minimaldauer von fünf Minuten für alle Statusformen hält die Leitlinienkommission fest. Für das Vorliegen eines nonkonvulsiven Status epilepticus wurden neue EEG-Kriterien definiert und in einer ersten Studie auch validiert. Das Konzept des superrefraktären SE und dessen Definition gilt mittlerweile als etabliert. Zu nonrefraktärem, refraktärem und superrefraktärem SE liegen neue epidemiologische und Krankheitskostendaten vor. Der Einfluss von Komorbiditäten, zum Beispiel einer Pneumonie, und von Labormarkern von Entzündung auf das neurologische Outcome und die SE-assoziierte Sterblichkeit wurde durch weitere Studien belegt.

Neue Medikamente

Intramuskuläres Midazolam, das in der Initialtherapie des Status generalisierter konvulsiver Anfälle mit einem Applikator gegeben wird, wirkt mindestens ebenso gut wie die intravenöse Gabe von Lorazepam. Intranasales Midazolam-Spray wird in Deutschland voraussichtlich nicht zugelassen, anders als in den USA. Bezüglich der Durchbrechungsrate konnte die Überlegenheit eines Benzodiazepins nicht klar belegt werden. Die höchste Evidenz liegt für intravenöses Lorazepam und für intramuskuläres Midazolam vor. Benzodiazepine spielen eine wichtige Rolle in der Initialtherapie des Status epilepticus. Die höchsten Durchbrechungsraten wurden nach der Gabe einer ausreichend hohen Dosis eines Benzodiazepins beobachtet. Häufigster Fehler war die Gabe zu niedriger Dosen, auch bei Lorazepam.

Mit Brivaracetam steht seit 2016 ein weiteres intravenös applizierbares Antiepileptikum zur Verfügung, das rascher als Levetiracetam eine zerebrale Maximalkonzentration erreicht. Intravenöses Ketamin konnte nach zwei retrospektiven Studien bei Patienten mit SRSE jenseits von Propofol den SRSE in 40 Prozent der Fälle durchbrechen.