PHADER-Studie zeigt: Die pharyngeale elektrische Stimulation verbessert die neurogene Dysphagie

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Erneut stellte eine Studie die Wirksamkeit und Sicherheit der der pharyngealen elektrischen Stimulation (PES) bei Patienten mit neurogene Dysphagie unter Beweis. Wichtig ist nun, das Verfahren weiter in die Breite zu tragen, um allen betroffenen Patientinnen und Patienten die Therapie anbieten zu können. Die DGN hat ein Curriculum für die flexible endoskopische Evaluation des Schlussaktes (FEES) erarbeitet und bietet auch 2021 deutschlandweit FEES-Basiskurse an.

Mitte November wurden die Ergebnisse der PHADER („PHAryngeal electrical stimulation for treatment of neurogenic Dysphagia European Registry“)-Studie [1] publiziert. Es handelt sich dabei um eine prospektive Beobachtungsstudie, die den Effekt der pharyngealen elektrischen Stimulation (PES) an 255 Patienten mit neurogener Dysphagie aus 14 Behandlungszentren in Deutschland, Österreich und UK untersuchte. Die Teilnehmer wurden in fünf Gruppen unterteilt: (1) Schlaganfallpatienten, die keine Beatmung benötigen, (2) beatmungspflichtige Schlaganfallpatienten, (3) beatmungspflichtige Patienten, (4) Patienten mit Hirntrauma und (5) dysphagische Patienten mit anderen neurologischen Erkrankungen. Das mediane Alter betrug 68 Jahre, 71% der Studienteilnehmer waren männlich. Die Anlage der Stimulationssonde verlief bei 98% der Patientinnen und Patienten erfolgreich, primärer Endpunkt war die Beurteilung der Dysphagie gemäß validierter Skala („dysphagia severity rating scale“/DSRS) nach drei Monaten.

Im Ergebnis zeigte sich, dass alle Patientengruppen signifikant von der Behandlung profitierten. Analog zum Dysphagie-Score verbesserten sich auch die Werte auf der Penetrations-Aspirations-Skala. Außerdem zeigte sich, dass der DRSR besonders bei den Patienten anstieg, die zuvor beatmet worden waren und im Studienverlauf dekanüliert werden konnten (im Vergleich zu jenen, bei denen keine Dekanülierung vorgenommen werden konnte).

„Vor zwei Jahren hatte bereits die multizentrische, randomisierte Interventionsstudie PHAST-TRAC [2] gezeigt, dass sich die schlaganfallbedingte Dysphagie bei tracheotomierten Patienten, die eine PES erhielten, deutlich rascher zurückbildete. Unmittelbar nach der Stimulationstherapie konnte auch die Trachealkanüle bei signifikant mehr Patienten entfernt werden. Die PHADER-Studie zeigt nun, dass diese Erfolge auch unter ‚Real Life‘-Bedingungen zu beobachten sind und die Therapie auch den gleichen Erfolg bei neurogener Dysphagie anderer Ursache zeigt“, erklärt Prof. Dr. Rainer Dziewas, Ko-Autor der PHADER-Studie, der sich mit dieser Behandlung über mehrere Jahre in der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikum Münster wissenschaftlich beschäftigt hat.

„Besonders eindrucksvoll finde ich, dass auch Patienten, die nach einer bereits Monate zurückliegenden Hirnverletzung und einer unverändert schweren Schluckstörung, bereits unmittelbar nach der PES eine Verbesserung der Schluckfähigkeit aufwiesen und bei den weiteren Kontrolluntersuchungen eine fortschreitende Funktionserholung zeigten.“, kommentiert Prof. Dr. Heinz Wiendl, Direktor der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Münster.

„Die vorliegen Daten sprechen dafür, allen Betroffenen die Therapie anzubieten“, erklärt Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN. „Um das zu ermöglichen, ist es wichtig, Fortbildungsangebote zu schaffen und flächendeckend auszubauen, was die DGN seit Jahren systematisch vorantreibt.“ So hat die DGN in Zusammenarbeit mit der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft (DSG) und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) ein Curriculum für die flexible endoskopische Evaluation des Schlussaktes (FEES) erarbeitet, um die Ausbildung in der endoskopischen Dysphagiediagnostik zu optimieren und zu formalisieren. Darüber hinaus werden regelmäßig im ganzen Bundesgebiet FEES-Basiskurse angeboten.

Aktuelle Termine finden Sie unter:

https://dgn.org/fortbildungen/fees-fortbildungen

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