Neurosyphilis: Leitlinie komplett überarbeitet

Koordinatoren der Leitlinie Neurosyphilis: Prof. Jörg Weber (l.), Klagenfurt, und Prof. Matthias Klein, München. (c) René Reiche (l.)/LMU Klinikum

15. Juni 2020 – Die einstige Massenerkrankung Syphilis tritt wieder häufiger in Deutschland auf. Im Jahr 2018 erreichte die Zahl der Neuinfektionen mit 7332 Fällen einen neuen Höchstwert. Aus diesem Anlass hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) die S1-Leitlinie „Neurosyphilis“ (AWMF-Registernummer 030/101) neu aufgelegt. Prof. Matthias Klein, München, und Prof. Jörg Weber, Klagenfurt, haben die Leitlinienarbeit koordiniert.

Die S1-Leitlinie richtet sich an Neurologen, Psychiater, Internisten, Infektiologen und Ärzte, die Patienten mit HIV im stationären und ambulanten Bereich behandeln. Sie beschreibt klinische Verlaufsformen und diagnostische Kriterien und gibt Empfehlungen zu Behandlung und Verlaufskontrolle der verschiedenen Manifestationsformen der Neurosyphilis.

Zur Leitlinie "Neurosyphilis"

Neurologische Manifestationsformen der Syphilis können nach der Primärsyphilis in jedem Stadium auftreten. Klinische Hauptmanifestationsformen der „frühen Neurosyphilis“ (wenige Monate bis Jahre nach Infektion) sind eine Meningitis und etwas später eine meningovaskuläre Manifestation. Zudem kann es zu Granulomen, sogenannten syphilitischen Gummen kommen. Die „späte Neurosyphilis“ manifestiert sich Jahre und Jahrzehnte nach der Infektion meist als paralytische oder als tabische Neurosyphilis.

Der Verdacht auf Neurosyphilis ergibt sich entweder aus neurologischen oder psychiatrischen Symptomen plus anamnestische Angaben über eine frühere Geschlechtskrankheit und/oder eine positive Treponemenserologie. Personen mit HIV haben ein erhöhtes Risiko für eine Neurosyphilis. Diagnostisch kann man zwischen einer wahrscheinlichen und einer sicheren Neurosyphilis unterscheiden. Eine Herausforderung ist es, asymptomatische HIV-positive Patienten mit Neurosyphilis zu erkennen und frühzeitig eine Liquoruntersuchung zu initiieren; hier gibt die Leitlinie klare Empfehlungen.

Penicillin G ist Therapie erster Wahl

Die Therapie der ersten Wahl besteht in der intravenösen Gabe von Penicillin G in hoher Dosis über 14 Tage. Alternativ kann auch mit 1 x 2 g/Tag Ceftriaxon intravenös über 14 Tage behandelt werden. Eine klinische Besserung und ein Rückgang der Liquorparameter unter der antibiotischen Therapie zeigen das Ansprechen auf die Therapie. Die Leitlinienautoren empfehlen Verlaufsuntersuchungen des Liquors drei bis sechs Monate nach Behandlung.