Nachruf Professor Dr. Wolfgang Müllges

© Uniklinik Würzburg/Berthold Steinhilber

Unser langjähriger Weggefährte, Freund und Kollege Professor Dr. Wolfgang Müllges verstarb völlig unerwartet am 7. Februar 2021. Er wurde nur 62 Jahre alt.

Wer in den letzten drei Jahrzehnten den DGN-Kongress oder Intensivmedizinertagungen besuchte, begegnete ihm als pragmatisch zupackendem Intensivmediziner und filigranem neurologischem Denker. Mit seiner Begeisterung für die Neurologie gewann er im Nu alle, die seine Vorträge hörten. Er präsentierte seine Themen immer mit routinierter Sachkenntnis – mal gepaart mit Gelassenheit und Argumenten für das Bewährte, mal geprägt von Leidenschaft und Verve für Veränderungen und Neues. Wolfgang Müllges blieb auch mit wachsender Autorität für alle Kollegen nahbar und offen, humorvoll und authentisch.

Geboren am 11.3.1958 in Neuwied studierte Wolfgang Müllges an der Aachener RWTH bis 1985 und promovierte dort 1986. Während seiner neurologischen Facharztausbildung bei Klaus Poeck prägte ihn die aufstrebende und aktive Neuro-Intensivmedizin mit interventioneller Neuroradiologie um die Oberärzte Werner Hacke und Hermann Zeumer. Dort entwickelte er eine umfassende Expertise für die internistischen Facetten und psychopathologischen Befunde der neurologisch erkrankten Patienten.

1991 übernahm er als Oberarzt die Intensivstationsleitung in der Universitäts-Neurologie Würzburg und prägte sie bis zuletzt, kümmerte sich dort auch um die Neurogeriatrie. Er wurde ein (intensiv-)medizinischer Allrounder und Experte für Psychosyndrome, für neuromuskuläre Erkrankungen und Hirntoddiagnostik und befasste sich intensiv mit dem Ultraschall, auch als DEGUM-Ausbilder. Unermüdlich brachte er seine Expertise in den unterschied­lichsten Gremien und Kommissionen ein, in der DGN z.B. in der Hirntodkommission. Über viele Jahre bis zu seinem Tod war er als Schatzmeister Vorstandsmitglied der DGNI.

„Wir sind keine unreflektierten Apparate-Mediziner“ lautete sein Statement als Kongresspräsident der ANIM 2018. Die reflektierte Balance zwischen dem Kampf um jedes Leben auf der einen Seite und der wohlüberlegten Rücknahme von aussichtslos gewordener Therapie auf der anderen Seite war eines seiner wichtigsten Anliegen. Die inhaltlich schweren Themen, mit denen sich Wolfgang Müllges beschäftigte, machte er in der Darstellung durch Elemente rheinischen Frohsinns manchmal erst verdaulich. Seine Vorliebe für die Krawatten von Ehefrau Ruth mit Kunstmotiven in bunten, lebendigen Farben begleitete ihn wie ein Gegengewicht zur intensivmedizinischen Auseinandersetzung mit dem Themenbereich Sterben und Tod. 

Wolfgang Müllges hatte als Urgestein der deutschen Neurologie viele dankbare Schüler begeistert und unzähligen Patienten geholfen. Er blieb geerdet, konnte sich selbst hinterfragen und engagierte sich nicht nur für den ärztlichen, sondern auch für den pflegerischen Kompetenzerwerb.

Unseren wichtigen Kollegen und Freund nicht mehr treffen zu können, ist unvorstellbar und ein großer Verlust, der uns traurig zurücklässt. Unsere tiefe Anteilnahme gilt seiner Ehefrau Ruth und seiner Tochter Lara.

Frank Erbguth, Nürnberg, und Hans-Christian Hansen, Neumünster/Hamburg

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