Leitlinie Insomnie komplett überarbeitet

Koordinator der Leitlinie Insomnie: Prof. Dr. Geert Mayer, Schwalmstadt-Treysa/Marburg (c) DGN/Rosenthal

25. Mai 2020 – Die S2k-Leitlinie „Insomnie bei neurologischen Erkrankungen“ (AWMF-Registernr.: 030/045) der DGN wurde unter Federführung von Prof. Dr. Geert Mayer, Schwalmstadt-Treysa/Marburg, vollständig überarbeitet. Sie richtet sich an Neurologen, Nervenärzte, Rehabilitationsmediziner, Psychologen und Pflegepersonal sowie erwachsene Patienten mit Insomnien.

Ziel der Leitlinie ist es, auf die Bedeutung, Frühdiagnostik und Therapie von Insomnien bei neurologischen Erkrankungen aufmerksam zu machen.

Zur Leitlinie "Insomnie bei neurologischen Erkrankungen"

Schlafstörungen wie Ein- und Durchschlafstörungen, exzessive Tagesschläfrigkeit, motorische Störungen im Schlaf und Parasomnien treten bei vielen neurologischen Erkrankungen auf. Die überarbeitete Leitlinie unterscheidet deshalb zwischen Insomnie bei Kopfschmerz, neurodegenerativen Bewegungsstörungen, Multipler Sklerose, traumatischen Hirnschäden, Epilepsien, neuromuskulären Erkrankungen, Schlaganfall sowie bei Demenz und Prionenerkrankungen.

Bei Insomnie bei Kopfschmerzen wird neben der symptomorientierten medikamentösen Therapie nun der Einsatz der kombinierten kognitiven Verhaltenstherapie (CBT) empfohlen, außerdem Lichttherapie, kognitive Verhaltenstherapie und Melatonin. Bei Parkinson können Eszopiclon, Doxepin, Zolpidem, Trazodon, Ramelteon und Melatonin eingesetzt werden. Die subjektive Schlafqualität lässt sich mit dem Antipsychotikum Pimavanserin und den Antidepressiva Venlafaxin und Nortriptylin verbessern. Zur Behandlung der Insomnie bei Multiple Sklerose kann die CBTi empfohlen werden. Ein probatorischer Einsatz von Melatonin ist möglich. Bei traumatischen Hirnschäden soll der Einsatz der kombinierten pharmakologischen und kognitiven Verhaltenstherapie (CBTi) erfolgen, wenn es die klinischen Begleitumstände erlauben. Tritt eine Insomnie bei Epilepsien auf, sollten vorzugsweise AE eingesetzt werden, die den Schlaf nicht stören. Retardiertes Melatonin kann bei Epilepsie-Patienten eingesetzt werden, um die Einschlaflatenz zu verkürzen. Bei neuromuskulären Erkrankungen sollten Insomnien aufgrund ihrer klinischen Relevanz bei FSHD, EBM und MD2 anamnestisch und diagnostisch beachtet werden. Schlafstörungen bei Schlaganfall können mit Echtlicht, Benzodiazepinrezeptoragonisten, sedierenden Antidepressiva, kognitiver Verhaltenstherapie und Akupunktur therapiert werden. Bei Demenz und Prionenerkrankungen kann Lichttherapie in Kombination mit 30 Minuten Laufen an mindestens vier Tagen pro Woche die Schlafdauer verbessern. Benzodiazepine, Benzodiazepinrezeptoragonisten und Phytotherapeutika sollten primär nicht zur Insomniebehandlung verabreicht werden. Unretardiertes, retardiertes Melatonin und Melatoninagonisten sind bei Schlafstörungen von Patienten mit Alzheimer-Demenz nicht indiziert.

Da Schlafstörungen bei den Angehörigen oder Pflegenden die Qualität der Versorgung mindern können, sollte ihre Schlafqualität ebenfalls evaluiert werden.