Lebenswerk-Preis der neurologischen Chefärztinnen und Chefärzte

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Prof. Peter Berlit erhielt heute die hohe Auszeichnung der Kommission der Leitenden Krankenhausneurologen für seine herausragenden Verdienste für die deutsche Neurologie.

Der Lebenswerk-Preis der neurologischen Chefärztinnen und Chefärzte ist eine der höchsten Auszeichnungen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und wird jährlich von der „Kommission Leitende Krankenhausärzte“ der DGN e.V. an neurologische Chefärztinnen/Chefärzte verliehen, die über die klinische Arbeit hinaus wesentliche Verdienste für die deutsche Neurologie geleistet haben. Preisträger des Jahres 2021 ist Prof. Dr. med. Peter Berlit, Berlin.

Prof. Berlit hat über alle Stationen seines Berufslebens, in welcher Position auch immer er sich befand, eine herausragende Kombination von wissenschaftlichem Engagement, hochdifferenziertem klinischem Einsatz und außerordentlichem Tatendrang für die Neurologie gezeigt. Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt auf dem Gebiet der zerebrovaskulären Erkrankungen, der Neuroimmunologie und der autonomen Störungen. Er hat entscheidende Impulse für die Einordnung, Systematik, Diagnostik und Therapie immunvaskulitischer Erkrankungen der großen und kleinen Arterien gegeben. Er war wissenschaftlicher Wegbereiter für das Bewusstsein, dass Schlaganfälle nicht nur hämodynamisch oder arteriosklerotisch bedingt sind. Formaler Ausdruck seiner wissenschaftlichen Aktivität sind aktuell 257 in Pubmed gelistete Publikationen.

Prof. Berlit hat sich in einzigartiger Weise für die Lehre und Ausbildung neurologischen Nachwuchses verdient gemacht. Neun erfolgreiche neurologische Lehrbücher tragen seinen Namen und er hat allein durch seine Tätigkeit als Buchautor ein enormes Lebenswerk geschaffen. Insbesondere ist er alleiniger Herausgeber des umfassenden Standard-Lehrbuchs „Klinische Neurologie“, das 2020 in vierter Auflage erschienen ist. Generationen von Studierenden, Weiterbildungsassistentinnen/-assistenten und Fachärztinnen/Fachärzten konnten aufgrund seiner klaren und differenzierten Wissensweitergabe Sicherheit in dem komplexen Feld der neurologischen Erkrankungen gewinnen.

Darüber hinaus hat Prof. Berlit sich hohe Verdienste als Vertreter des neurologischen Fachgebiets erworben. Er ist Initiator und Gründer der Kommission der Leitenden Krankenhausneurologen und war bis zu seinem Ausscheiden als Chefarzt der Neurologie des Alfried Krupp Krankenhauses Essen deren Vorsitzender. Ein kontinuierliches Engagement für die Deutsche Gesellschaft für Neurologie, deren Generalsekretär er heute ist, begleitete seinen gesamten Berufsweg.

Peter Berlit wurde 1950 in Darmstadt geboren und legte 1969 sein Abitur in Bad Hersfeld ab. Über seine musikalische Begabung für klassische Gitarre erhielt er 1969 einen Studienplatz für Medizin in Kiel. 1973 wechselte er an die Universität Marburg, wo er 1976 das Staatsexamen ablegte und im gleichen Jahr promovierte.

Seine neurologische Facharztausbildung absolvierte er in der Universitätsklinik Heidelberg unter Prof. Heinz Gänshirt. 1985 habilitierte er sich über das Thema der Strahlenmyelopathie. Von 1985 bis 1992 war er leitender Oberarzt in der Neurologischen Klinik der Universitätsklinik Mannheim, ständiger Vertreter des damaligen Ordinarius Prof. Otto Hallen und zeitweise kommissarischer Direktor. 1990 hatte er eine Gastprofessur an der University of California in San Diego. 1992 wurde er Chefarzt der Neurologischen Klinik am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen, wo er bis 2017 wirkte. Seit 2018 ist er Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

Peter Berlit ist ein zutiefst überzeugter Neurologe mit einer großen Glaubwürdigkeit. Seinen ursprünglichen Berufswunsch – Latein- und Griechischlehrer – hat er glücklicherweise nicht verwirklicht, aber er wurde dennoch ein Pädagoge, ein Neuropädagoge. Antrieb all seiner Aktivitäten ist bis heute seine stetige Neugier, sein außerordentlicher Wissensdrang und sein genuines Interesse an dem Menschen, dem er gegenübersteht – sei es eine Patientin/ein Patient, eine junge Assistenzärztin/ein junger Assistenzarzt oder eine ältere Kollegin/ein älterer Kollege. Er blüht auf, wenn es darum geht, Verbindungen zu knüpfen. Er ist Organisator mit Leib und Seele und beherrscht dies in seiner stets die Ruhe bewahrenden Art, ohne dass es nach außen hin mühevoll erscheint.

Seine Neugier macht nicht vor der Neurologie Halt, sondern erstreckt sich auch auf viele kulturelle und geisteswissenschaftliche Bereiche. Sein Instrument, die Gitarre, spielt er bis heute, alleine und in seiner Band. Vorgefasste Meinungen und Denkschablonen waren und sind ihm stets fremd.

Durch seine Position als Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie profitieren wir alle von seiner Initiative und seinem enormen Innovationsdrang – gerade jetzt zum Beispiel durch seine kontinuierliche wissenschaftliche Aufarbeitung der Publikationen zur COVID-19-Pandemie. Seine Innovationsfreude äußert sich auch in seiner Tätigkeit als federführender Schriftleiter der DGNeurologie. Durch Planung und Herausgabe von Sonderheften zur Vorbereitung auf die Facharztprüfung hat er bewiesen, wie sehr ihm eine qualitativ hochwertige Ausbildung zukünftiger Neurologinnen und Neurologen weiterhin am Herzen liegt.

Bei Prof. Berlit ein klinisches Spezialgebiet hervorheben zu wollen, wäre geradezu vermessen. Er hat praktisch in allen Bereichen der Neurologie ein hochgradig differenziertes Wissen. Seinem Lebensziel – der sorgfältigen, wissenschaftlich verankerten und modernen klinisch-neurologischen Diagnostik, Differenzialdiagnostik und Behandlung – ist er bis heute verpflichtet. Wir ehren in ihm einen großen Kliniker, dessen Lebenswerk von überragender Bedeutung für die Neurologie ist, und der stets den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Prof. Dr. med. Henning Henningsen, Lüneburg

Prof. Dr. med. Frank Erbguth, Nürnberg