Die DGN trauert um Prof. Dr. Axel Müller-Jensen, langjähriger Chefarzt der Neurologischen Klinik in Hamburg-Altona

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Axel Müller-Jensen leitete 24 Jahre von 1986 bis 2010 die Neurologische Abteilung der Klinik Hamburg-Altona. Nach dem Studium an der Universitätsklinik Hamburg Eppendorf absolvierte er seine Assistenzarztzeit unter Prof. Rudolf Janzen. Er habilitierte 1977 mit einer Arbeit über die Infrarot-Reflex-Pupillographie und wurde 1982 zum Professor der Neurologie der Universität Hamburg ernannt. Seit dem 19.10.1974 war er Mitglied der DGN.

Geboren 1942 in Hamburg und geprägt von der Nachkriegszeit, hatte er schon als Kind Kontakt zur Medizin. Seine Mutter war eine der ersten Kinderärztinnen Hamburgs und sein Vater war als Psychiater tätig. Die Praxis befand sich zunächst noch in der Wohnung in der Isestraße, und Praxisalltag und Familienleben waren eng miteinander verwoben. Im Hausflur warteten Patienten auf den Termin, und so war es unvermeidlich, schon von Kindesbeinen an mit Patienten in „Tuchfühlung“ zu kommen. Wissenschaftlich begeisterte sich Axel Müller-Jensen für die Neuro-Ophthalmologie und verbrachte mehrere Monate im Bascom Palmer Eye Institute bei Robert Daroff in Miami.

Frühzeitig erkannte Axel Müller-Jensen, dass der Schlaganfall ein zeitkritischer Notfall ist und kein Schicksalsschlag, für den keine wirksame Behandlung zur Verfügung steht. Sein Engagement mündete in der Errichtung einer Stroke Unit, die 1998 in Altona, zeitgleich mit dem UKE, eröffnet wurde. Die Optimierung der Schlaganfallbehandlung in Hamburg war ihm ein großes Anliegen. Er erkannte frühzeitig die Bedeutung der interventionellen Neuroradiologie und förderte die Gründung einer eigenständigen Abteilung für Neuroradiologe im Altonaer Krankenhaus. Die enge Kooperation der Neuro- und Kopffächer in einem Neuro- und Kopfzentrum war sein großes Anliegen, für das er sich unermüdlich einsetzte, und prägte den überregionalen Maximalversorger AK Altona. Von 2009 bis 2013 war Axel Müller-Jensen für die Stroke Unit Zertifizierung der DSG als medizinischer Fachauditor tätig. Für seine Verdienste zur Verbesserung der Schlaganfallversorgung erhielt Axel Müller-Jensen das Romberg-Glas der Kommission Leitende Krankenhausneurologen der DGN.

Axel Müller-Jensen war ein ausgezeichneter Kliniker, für den der Patient immer im Mittelpunkt stand. Seine Mitarbeiter kannten ihn als Chef mit Tatendrang und Entschlussfreudigkeit, der sich nicht von seinen gesteckten Zielen abbringen ließ. Er war bekannt als leidenschaftlicher Diskutant auf Jahrestagungen und war ein engagierter Streiter für den optimalen Behandlungsweg und neue Therapieoptionen. In Hamburg war er als Kämpfer für strukturelle Verbesserungen in „seinem Altonaer Krankenhaus“ geschätzt.

Privat war Axel Müller-Jensen ein begeisterter Familienmensch und Sportsmann, der immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen war. Golf, Tennis, Laufen, Schwimmen, Radfahren – alles schien ihm in die Wiege gelegt zu sein. Als Doping-Arzt war er im Hamburger Volksparkstadion bei seinem geliebten Hamburger Sportverein auch nach seiner Berentung weiter tätig. Neben dem Sport war er besonders in der Jugend leidenschaftlicher Trompeter in einer Jazz Band. Zu Zeiten, als andere hysterisch die Beatles begrüßten, spielte er „richtige Musik“ – Jazz eben. Wege jenseits des Mainstream waren für ihn intuitive Entscheidungen, nicht dünkelhaft.

Er war bis zuletzt voller Lebenslust und sagte von sich: ich bin ein glücklicher Mensch und habe ein erfülltes Leben geführt. Axel Müller-Jensen verstarb im April nach kurzer schwerer Krankheit und wird vielen als guter Freund und ein Vorbild für ärztliches Handeln in Erinnerung bleiben.

Otto Busse
Detlef Kömpf
Joachim Röther

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