Zwei Fälle von zerebralen Venenthrombosen nach mRNA-Impfstoff – Zufall?

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Neurologinnen und Neurologen aus Portugal berichten über zwei Patientinnen mit zerebralen Venenthrombosen (CVT) nach Erhalt des SARS-CoV-2-mRNA-Impfstoffs BNT162b2 [1]. Trotz des zeitlichen Zusammenhangs unterschieden sich diese CVT nicht von sporadischen Fällen. Anders als Patientinnen/Patienten mit Vakzine-induzierter thrombotischer Immunthrombozytopenie (VITT) hatten die Frauen weder eine Thrombopenie noch Antikörper gegen Plättchenfaktor 4 (PF4). Letztere sind, darauf weisen französische Wissenschaftler erneut hin, möglichst nicht mit Schnelltests, sondern mit sensitiven, quantitativen immunologischen Tests nachzuweisen [2].

Nach etlichen Meldungen über CVT nach Erhalt von Vektorvakzinen gegen SARS-CoV-2 berichten Medizinerinnen und Mediziner von der Universitätsklinik in Porto nun über zwei Patientinnen im Alter von 47 und 67 Jahren, die sechs Tage nach der ersten, beziehungsweise drei Tage nach der zweiten Dosis des COVID-19-Impfstoffs von BioNTech Symptome einer CVT entwickelten [1]. Diese ähnelten allerdings sporadischen Fällen, zumal sich jeweils eine mögliche alternative Ursache ausmachen ließ.

Die erste Patientin klagte über Kopfschmerzen, Übelkeit und Photophobie und entwickelte ein linksseitiges motorisches Defizit. Klinisch bestanden ein Papillenödem, eine Hemianopsie nach links und eine linksseitige Hemiparese. Im MRT mit Venographie fanden sich Thrombosen im Sinus sagittalis superior, im rechten Sinus lateralis, transversus und sigmoideus, im linken Sinus sigmoideus und in der linken Jugularvene, ferner eine rechtsfrontale Subarachnoidalblutung und ein kortikaler, venöser Infarkt.

Die ältere Patientin, bei der multiple zerebrale Kavernome und kardiovaskuläre Risikofaktoren vorbekannt waren, wurde mit einem fokal eingeleiteten epileptischen Anfall aufgenommen. Im MRT fanden sich Thrombosen in kortikalen Venen, im Sinus sagittalis superior, rechtsseitig im Sinustransversus und sigmoideus sowie in der Jugularvene.

Beide Patientinnen hatten initial einen negativen PCR-Test auf SARS-CoV-2. Thrombozytenzahlen und Gerinnungstests waren unauffällig, bis auf eine leichte Erhöhung von Protein S bei der ersten Patientin. Hinweise auf Autoimmunphänomene ergaben sich nicht. Untersuchungen auf PF4-Antikörper, wie sie bei VITT gefunden wurden, erfolgten mittels ELISA bei der ersten Patientin zwei Monate nach dem Ereignis und bei der zweiten nach 20 Tagen. Sie waren negativ.

Als wahrscheinlicher Auslöser der CVT wurde bei der ersten Patientin eine hormonelle Antikonzeption und bei der zweiten neben den Risikofaktoren ein Nierenzellkarzinom, das im Computertomogramm von Thorax, Abdomen und Becken auffiel, ausgemacht.

In einem Kurzbeitrag [2] weisen Mediziner und Pharmakologen von der Universität in Tours in Frankreich darauf hin, das Schnelltests für den Nachweis PF4-spezifischer Antikörper bei VITT-Verdacht ungeeignet sind. Sie hatten Ende März 2021 das Blut von neun Patientinnen/Patienten mit VITT-Verdacht bei CVT und Thrombosen der Splanchnicusvenen nach Impfung mit ChAdOx1 untersucht. Bis auf eine Frau hatten alle schwere Thrombopenien von im Median 29.000/mm3. Diverse Schnelltests auf PF4-Antikörper lieferten durchweg negative und bei einem Patienten ein zweifelhaftes Ergebnis. Drei verschiedene ELISA-Tests erbrachten widersprüchliche Ergebnisse. Signifikante PF4-Antikörper konnten bei sieben Patientinnen/Patienten lediglich mit einem Test nachgewiesen werden, der einen PF4-Polyvinyl-Sulfonat-Komplex als Antigen verwendet. Bestätigt wurde die VITT-Diagnose bei allen dieser sieben Patientinnen/Patienten mit einem PF4-Serotonin-Release-Assay. Der Standard-Serotonin-Release-Assay war hingegen bei zweien negativ.  

[1] Dias L, Soares-Dos-Reis R, Meira J et al. Cerebral Venous Thrombosis after BNT162b2 mRNA SARS-CoV-2 vaccine. J Stroke Cerebrovasc Dis. 2021 Aug;30(8):105906.

https://www.strokejournal.org/article/S1052-3057(21)00309-8/fulltext

[2] Vayne C, Rollin J, Gruel Y et al.: PF4 Immunoassays in Vaccine-Induced Thrombotic Thrombocytopenia. N Engl J Med. 2021 Jul 22;385(4):376-378.

https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc2106383

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