Zwei-Jahres-Analyse zu neurologischen und psychiatrischen COVID-19-Folgen

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Eine Zwei-Jahres-Analyse von fast 1,5 Millionen COVID-19-Erkrankten evaluierte das Risiko neurologischer und psychiatrischer Folgen. Es zeigte sich für ein bis zwei Monate eine erhöhte Inzidenz affektiver Störungen und Angsterkrankungen. Kinder hatten kein erhöhtes Risiko für diese Diagnosen. Das Risiko für andere neurologische und psychiatrische Folgen (z. B. kognitive Störungen, Schlafstörungen, Schlaganfälle, psychotische Erkrankungen, Krampfanfälle) blieb sowohl bei Kindern wie auch Erwachsenen über zwei Jahre erhöht. Die genannten Risiken nach Omikron-Infektionen ähnelten insgesamt denen der Delta-Welle.

Eine in Lancet Psychiatry publizierte retrospektive Zwei-Jahres-Analyse [1] untersuchte bei fast 1,5 Mio. COVID-19-Betroffenen das Risiko neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen. Die Arbeitsgruppe wertete Daten des globalen Gesundheitsnetzwerkes „TriNetX electronic health records network“ (ca. 89 Mio. Menschen) aus. COVID-19-Erkrankte wurden 1:1 mit Kranken mit anderen respiratorischen Infektionen gematcht und nach Alter stratifiziert (<18, 18-64 und >64 Jahre). Von 1.487.712 COVID-19-Erkrankten konnten 1.284.437 gematcht werden (42,5 ±22 Jahre, 58% weiblich, 185.748 <18 und 242.101 >64 Jahre). Es wurde ausgewertet, wie häufig neurologische und psychiatrische Diagnose in den Gruppen auftraten.

Wie sich zeigte, war nach COVID-19 die Inzidenz psychischer Störungen vorübergehend erhöht, normalisierte sich aber innerhalb von ein bis zwei Monaten wieder (affektive Störungen nach 43 Tagen, Angsterkrankungen nach 58 Tagen) und wies gegenüber der Vergleichskohorte mit anderen Atemwegsinfektionen keine Überhäufigkeit auf. Dagegen blieb das Risiko für kognitive Störungen, Demenz, psychotische Erkrankungen und Krampfanfälle über den Zeitraum von zwei Jahren erhöht, was nach Ansicht des Autorenteams eine unterschiedliche Genese nahelegt.

Kinder hatten kein erhöhtes Risiko für affektive Störungen oder Angsterkrankungen, auch nicht in den ersten sechs Monaten. Sie hatten jedoch ähnliche Risiken wie Erwachsene für die anderen Diagnosen (mit HRs 1,2 - 2,16). Im Gegensatz zu Erwachsenen waren kognitiven Störungen bei Kindern nur für eine begrenzte Dauer vorhanden (Risikohorizont 75 Tage; bis zum Erreichen der gleichen Inzidenz wie in der Kontrollgruppe 491 Tage).

Mit Auftreten der Delta-Variante (n=44.835 in jeder Kohorte) stieg das Risiko für Schlaganfälle, Krampfanfälle, kognitive Störungen, Schlafstörungen und Angststörungen an, ebenso die Sterberate. Mit der Omikron-Variante (n=39.845 in jeder Kohorte) sank die Sterberate. Die anderen Risiken änderten sich gegenüber der Delta-Welle jedoch nicht, sodass die Autorinnen und Autoren schlussfolgern, dass die Belastung des Gesundheitssystems auch mit harmloseren SARS-CoV-2-Varianten möglicherweise nicht abnehmen werde.

[1] Taquet M, Sillett R, Zhu L et al. Neurological and psychiatric risk trajectories after SARS-CoV-2 infection: an analysis of 2-year retrospective cohort studies including 1 284 437 patients. Lancet Psychiatry 2022 Aug 17

https://www.thelancet.com/journals/lanpsy/article/PIIS2215-0366(22)00260-7/fulltext

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