Zerebrale Territorialinfarkte bei jüngeren COVID-19-Patienten

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Eine Fallserie aus New York beschreibt fünf unter 50-jährige COVID-19-Patienten mit Infarkten großer Hirnarterien. Während in Wuhan (bei einer beschriebenen Schlaganfallrate von 5% bei COVID-19-Patienten – siehe oben) der jüngste Patient 55 Jahre alt war, war in dieser Fallserie das junge Alter der Betroffenen auffällig. Außerdem hatten nur drei Patienten Vorerkrankungen und keiner wies schwere klinische respiratorische Symptome auf.

Bei der ersten Patientin, einer 33-Jährigen ohne bekannte Vorerkrankungen kam es nach einer Woche mit Husten, Frösteln („Chills“) und Kopfschmerzen zu einer zunehmenden Dysarthrie, Paresen und Hypästhesie linksseitig in Arm und Bein. Aus Angst vor SARS-CoV-2 ging sie zunächst nicht zum Arzt. Bei der Aufnahme in die Klinik hatte sie einen NIHSS-Score von 19 (von 0 bis 42 zunehmender Schlaganfall-Schweregrad). CT und CT-Angiografie zeigten eine partielle Infarzierung im Gebiet der rechten A. cerebri media sowie eine teilokklusive Thrombose im Bereich der rechten Karotisbifurkation. Die Lungenspitzen wiesen opake Eintrübungen auf, die SARS-CoV-2-PCR war positiv. Eine Thrombusquelle wurde echokardiografisch und im MRT nicht gefunden. Unter einer Antikoagulation löste sich der Thrombus nach zehn Tagen vollständig auf. Innerhalb von nur zwei Wochen wurden vier weitere (männliche) COVID-19-Patienten im Alter von 37, 39, 44 und 49 Jahren mit ischämischen Territorialinfarkten behandelt. Der zweite Patient hatte ebenfalls keine bekannten Vorerkrankungen (Screening erfolgte auf Hypertonie, Hyperlipidämie, Diabetes mellitus, Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz, Nikotinabusus, Drogen/Medikamentenmissbrauch und HWS-Trauma); von den anderen drei Patienten litt einer an einer Hyperlipidämie und Hypertonie, der zweite an einem bislang unbekannten Diabetes mellitus und der dritte war ebenfalls Diabetiker und hatte darüber hinaus schon einen leichten Schlaganfall gehabt. Wie auch die erste Patientin wies keiner der Patienten klinisch schwerere respiratorische Symptome auf: Zwei Patienten waren sogar respiratorisch symptomlos, die anderen klagten über eine allgemeine Abgeschlagenheit (Lethargie) sowie über Fieber und Husten.

Besonders erschreckend ist, dass nur ein einziger Patient bereits zwei Stunden nach Auftreten der neurologischen Symptome medizinische Hilfe aufsuchte, zwei weitere erst nach jeweils acht Stunden, einer nach 16 und die erste Patientin sogar erst nach 28 Stunden. Diese Fälle bestätigen erneut, dass „Corona-Angst“ und fehlenden Sozialkontakte zu lebensbedrohlichen Verzögerungen von Akutbehandlungen führen.

Oxley TJ, Mocco J, Majidi S et al. Clinical Characteristics of Five Young Patients Presenting with Large-Vessel Stroke. NEJM April 28, 2020 DOI: 10.1056/NEJMc2009787. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc2009787