Zerebrale Sinusvenenthrombose bei COVID-19

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Eine aktuelle iranische Studie [1] beschreibt die zerebrale Sinusvenenthrombose als seltene, aber ernste Komplikation bei COVID-19-Patienten. Vorgestellt wird eine eigene kleine Fallserie von sechs Patienten, kombiniert mit einem Literatur-Review, wobei auch Vergleiche zur nicht-SARS-CoV-2-assoziierten Sinusthrombose gezogen werden. Am auffälligsten war dabei die hohe Mortalitätsrate bei SARS-CoV-2-positiven CVST-Patienten. Sie war um mehr als das Fünffache höher als bei SARS-CoV-2-negativen CVST-Patienten.

Eine Studie aus dem Iran berichtet über sechs Patienten im Alter von 31-62 Jahren mit SARS-CoV-2-Infektion und zerebraler Sinusvenenthrombose (CVST). Von den Patienten hatten vier keine respiratorischen bzw. nur nicht-respiratorische COVID-19-Symptome. Die CVST trat in fünf Fällen zeitgleich zur SARS-CoV-2-Infektion auf; bei einem Patienten betrug das Intervall 15 Tage nach COVID-19-Beginn. 3/6 der Patienten hatten prädisponierende Faktoren für eine CVST (Schwangerschaft, Protein-C-Mangel, Hepatitis C) und 4/6 Patienten verstarben trotz Intensivtherapie innerhalb von drei Wochen.

In der Literatur wurden 28 Kasuistiken von Patienten mit Sinusthrombose bei SARS-CoV-2-Infektion gefunden. Das Intervall vom Beginn der COVID-19-Symptome betrug hier 0-21 Tage. Die Mehrzahl (22/28) hatte respiratorische Infektzeichen. 11/28 hatten prädisponierende Faktoren. Insgesamt war bei nicht-COVID-19-assoziierter CVST der Frauenanteil größer (Frauen/Männer 2,19) als bei COVID-19-assoziierter CVST (Frauen/Männer 1,42). Patienten mit einer CVST und SARS-CoV-2-Infektion waren (gegenüber CVST ohne SARS-CoV-2-Infektion) im Durchschnitt älter (ca. 49 vs. 38 Jahre) und die Mortalitätsrate war um mehr als das Fünffache höher (35,29% vs. 6,07%).

Die Datenlage erlaube insgesamt keine Rückschlüsse, inwieweit SARS-CoV-2 die Ursache oder nur einen Trigger für eine CVST darstellt, so die Autoren. Entscheidend sei aber, bei entsprechenden Hinweisen an die Möglichkeit einer CVST bei COVID-19-Patienten zu denken, und zwar auch bei fehlenden respiratorischen Symptomen.

Ostovan VR, Foroughi R, Rostami M et al. J Cerebral venous sinus thrombosis associated with COVID-19: a case series and literature review. J Neurol 2021 Feb 22;1-12.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7897893

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