Zerebrale Mikroblutungen und Leukenzephalopathien bei fast einem Drittel der hospitalisierten COVID-19-Patienten

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Eine Auswertung von drei New Yorker Krankenhäuser der Maximalversorgung zeigte: Im MRT-Scan wiesen 35 der 115 COVID-19-Patienten, bei denen eine kraniale Bildgebung durchgeführt wurde, zerebrale Mikroblutungen und Leukenzephalopathien auf. Die Autoren setzten diese Befunde mit Laborwerten und den klinischen Verläufen in Beziehung. Nahezu unkommentiert ließen sie, dass bei 47 Patienten chronische/akute Infarkte oder Blutungen diagnostiziert wurden, lediglich bei 33 der 115 Patienten war das cMRT unauffällig.

In der vorliegenden Studie wurden retrospektiv die Daten von 4131 COVID-19-Patienten analysiert, die zwischen dem 1. März und dem 3. Mai in drei Krankenhäusern der Maximalversorgung in New York behandelt worden waren. Bei 115 Patienten war eine MRT-Untersuchung des Kopfes durchgeführt worden und es zeigte sich, dass 30,4% (= 35 Patienten) Leukenzephalopathien oder zerebrale Mikroblutungen aufwiesen. Bei diesen Patienten war die MRT-Untersuchung durchschnittlich später durchgeführt worden als bei den Patienten ohne diese Befunde; ihr klinischer Zustand war zum Zeitpunkt der MRT-Untersuchung schlechter, sie hatten höhere D-Dimere und der Plättchenzahl-Nadir lag niedriger. Klinisch war auffällig, dass sie länger beatmet werden mussten (34,6 vs. 9,1 Tage) und häufiger unter einem moderaten oder schweren ARDS litten (88,6% vs. 23,8%). Die betroffenen Patienten waren auch deutlich länger hospitalisiert (42,1 vs. 20,9 Tage) und wiesen eine höhere Mortalitätsrate auf (20% vs. 9%).

Die Autoren interpretieren die Leukenzephalopathie als mögliche Folge einer zerebralen Hypoxie bei Schock und Hypoxämie.

Shashank Agarwal, Rajan Jain, Siddhant Dogra et al. Cerebral Microbleeds and Leukoencephalopathy in Critically Ill Patients With COVID-19. Stroke. 5 Aug 2020.

https://www.ahajournals.org/doi/pdf/10.1161/STROKEAHA.120.030940