Wirksame Infektionskontrolle an Münchner Universitätsklinikum

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Eine Querschnittsstudie zur Seroprävalenz von SARS-CoV-2 bei 4.554 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Klinikum rechts der Isar und Studierenden der Medizin der Technischen Universität München (TUM) [1] zeigt, dass direkter Kontakt zu PatientinnenundPatienten, auch solchen mit COVID-19, bei konsequenter Verwendung persönlicher Schutzausrüstung („personal protective equipment“/PPE) das Risiko, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren, nicht entscheidend erhöht. Private Kontakte oder Expositionen ohne PPE spielen eine größere Rolle.

In einer prospektiven, monozentrischen Beobachtungsstudie vom 14.04. bis 29.05.2020 wurden an der Münchner TU Risikofaktoren und Hinweise auf SARS-CoV-2-Infektionen bei über 4.500 Klinikangestellten und Medizinstudierenden erfasst und die Prävalenz von SARS-CoV-2-Antikörpern im Serum untersucht [1]. Die Teilnahme war freiwillig und beruhte größtenteils auf Selbstauskunft. Der Großraum München war in Deutschland das Epizentrum des ersten COVID-19-Ausbruchs in Deutschland, mit massivem Anstieg der Infektionen im März 2020, als viele Menschen infiziert aus Skiorten wie Ischgl in Österreich zurückkehrten.

Die Gesamt-Prävalenz in der Studienkohorte betrug 2,4%. Dass dies über den 1,8% der parallel in München im Rahmen einer bevölkerungsbasierten Studie erfassten Seroprävalenz liegt, bestätigt das grundsätzlich erhöhte Risiko von im Gesundheitswesen Tätigen. Allerdings waren die Infektionsraten bei Health Care Workers (HCW) in anderen Untersuchungen zum Teil weit höher – in New York etwa erreichten sie Zahlen bis 13,7%.

Entgegen den Erwartungen waren die Infektionsraten bei medizinischem Personal, das direkt mit infizierten Patientinnen und Patienten oder auf COVID-19-Stationen arbeitete, in der Studie nicht höher als bei den übrigen HCW. Die Autorinnen und Autoren führen dies auf größere Vorsicht und die konsequente Verwendung von PPE zurück. So waren HCW, die Aerosol-freisetzende Eingriffe wie Endoskopien vornahmen, sogar seltener seropositiv.

98% in der Kohorte gaben an, routinemäßig OP-Masken zu tragen, was im Klinikum ab dem 16.03.2020 obligatorisch wurde. Wichtigster Risikofaktor war eine Exposition gegenüber Infizierten im privaten Umfeld oder zu Kollegen. Solche Privatkontakte erhöhten die Wahrscheinlichkeit, selbst positiv zu werden, auf mehr als das Fünffache. Entsprechend wichtig sind Schutzmaßnahmen auch im Privatleben sowie bei Kontakten zu Kollegen, etwa beim Essen. Das ist umso wichtiger, da nahezu zwei Drittel der Seropositiven – obwohl medizinisch geschult – nichts von ihrer Infektion bemerkt hatten. Ein rein symptombasiertes Testen kann also dazu führen, dass Infektionen bei HCW übersehen werden.

[1] Erber J, Kappler V, Haller B et al. SeCoMRI Study Group2: Infection Control Measures and Prevalence of SARS-CoV-2 IgG among 4,554 University Hospital Employees, Munich, Germany. Emerg Infect Dis. 2022 Mar;28(3):572-581.

https://wwwnc.cdc.gov/eid/article/28/3/20-4436_article

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