Wiederkehr des Riechvermögens hängt unter anderem vom Alter ab

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Etwa die Hälfte aller Patientinnen und Patienten mit COVID-19 verlieren vorübergehend ihren Geruchs- und Geschmackssinn. Die meisten, etwa 80%, erholen sich innerhalb der ersten Monate wieder davon. US-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler haben in einer prospektiven Studie [1] bei 798 Betroffenen untersucht, welche Faktoren mit einer Wiederkehr des Geruchsvermögens assoziiert sind. Das waren ein Alter unter 40 Jahren sowie eine nasale Kongestion in der Anfangsphase der Infektion.

In einer landesweiten, longitudinalen, Internet-basierten Umfrage bei Erwachsenen mit COVID-19-assoziiertem Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns haben Mediziner und Medizinerinnen von der Universität in Richmond, USA, untersucht, ob es bestimmte demographische Faktoren, Symptome, Begleiterkrankungen oder Therapien gibt, die eine Wiederkehr des Geruchssinns nach COVID-19 wahrscheinlicher machen oder nicht [1]. Es handelt sich um die bislang größte Fallserie mit dem längsten Follow-up.

Nach einer initialen Erhebung mussten die Befragten, die online über soziale Medien rekrutiert wurden (jeweils nach 2 Wochen) sowie nach 1, 3 und 6 Monaten Fragebögen ausfüllen. Eingeschlossen wurde nur, wer zum Zeitpunkt der SARS-CoV-2-Infektion den Geruchssinn als „schlecht“, „sehr schlecht“ oder „fehlend“ einschätzte. Milde Einschränkungen waren ein Ausschlusskriterium.

Unter den demographischen Faktoren war nur ein Alter unter 40 Jahren positiv mit einer Wiederkehr des Riechvermögens assoziiert, und unter den Symptomen eine verstopfte Nase in der Anfangsphase der Infektion. Letzteres kam in der Kohorte bei rund zwei Dritteln der Patienten und Patientinnen und damit auffällig häufig vor – in früheren Studien wurde die Häufigkeit nasaler Kongestion mit nur etwa 4% angegeben. Somit lässt sich nicht ausschließen, dass bei einigen Patienten auch der gestörte nasale Luftfluss zur Einschränkung der Geruchswahrnehmung beigetragen hat.

Negativ mit einer Erholung des Riechvermögens assoziiert waren Atemprobleme während der akuten COVID-19-Erkrankung sowie ein Schädel-Hirn-Trauma in der Vorgeschichte. Letzteres spricht für einen möglichen „second hit“, bei dem ein Nervenschaden durch einen vorangegangenen potenziert wird. Andere Begleiterkrankungen einschließlich chronischer Sinusitiden oder chronischer Atemwegserkrankungen hatten keinen Einfluss, ebenso wenig die Einnahme von Medikamenten wie NSAR, Paracetamol, Azithromycin, Remdesivir oder Hydroxychloroquin.

Insgesamt erholte sich das Riechvermögen über den Nachbeobachtungszeitraum von sechs Monaten bei 79,5% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das Autorenteam schlägt vor, Betroffene über die ermittelten Einflussfaktoren zu informieren, fordert aber auch weitere Studien.

[1] Coelho DH, Reiter ER, Budd SG et al.: Predictors of smell recovery in a nationwide prospective cohort of patients with COVID-19. Am J Otolaryngol. 2021 Sep 16;43(1):103239.

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0196070921003409

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