Wie sehr erhöht COVID-19 das Risiko für Thrombosen, Lungenembolien und Blutungen?

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Eine schwedische Registerstudie [1] liefert erneut starke Argumente für eine Thromboseprophylaxe bei COVID-19. Im Verhältnis zum jeweiligen Kontrollzeitraum war nach COVID-19 die Inzidenz von tiefen Venenthrombosen (TVT) für 70 Tage und die für Lungenembolien für 110 Tage signifikant erhöht. Vor allem Patientinnen und Patienten mit Begleiterkrankungen oder schwerem COVID-19-Verlauf hatten ein höheres Risiko, und in der ersten Pandemiewelle war das Risiko höher als in der zweiten und dritten.

Mit zwei statistischen Methoden – einer selbst-kontrollierten Fallserie und einer gematchten Kohortenstudie – haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Schweden nationale Registerdaten von über einer Million zwischen dem 1. Februar 2020 und dem 25. Mai 2021 positiv auf SARS-CoV-2-Getesteten und über 4 Millionen Kontrollen ausgewertet [1]. Ziel war, herauszufinden, wie hoch das Risiko von TVT, Lungenembolien und Blutungen nach COVID-19 ist und wie lange es anhält.

Dabei fanden sie heraus, dass die jeweiligen Risiken für bis zu drei, sechs und zwei Monate erhöht blieben. Die Inzidenzraten für erstmalig aufgetretene Lungenembolien waren dabei besonders hoch. Gegenüber der Kontrollperiode waren sie in der ersten Woche von COVID-19 rund 36-fach und in der zweiten sogar 46-fach erhöht. Im Verhältnis zur Kontroll-Inzidenzrate waren erstmalige Lungenembolien zwischen Tag 1-30 nach COVID-19 rund 32-mal, erstmalige TVT 6-mal und erstmalige Blutungen etwa 2,5-mal so häufig. Die absoluten Risiken bei Menschen mit COVID-19 betrugen in diesem Zeitraum 0,17% für Lungenembolien, 0,039% für TVT und 0,101% für Blutungen. Besonders hohe Risiken fanden die Forscherinnen und Forscher bei Menschen, die wegen COVID-19 stationär aufgenommen wurden, vor allem bei denen, die auf die Intensivstation mussten. 

Die geringeren Inzidenzen und Risiken in der zweiten und dritten gegenüber der ersten Welle führen die Autorinnen und Autoren auf Verbesserungen in der Behandlung bei COVID-19 zurück, vor allem auf die verbreitete Thromboseprophylaxe nach der ersten Welle. Allerdings räumen sie ein, dass im Rahmen der Studie keine Angaben zur Impfung zur Verfügung standen. 30 Tage vor Beendigung der Datensammlung waren aber rund 30% der schwedischen Bevölkerung bereits einmal geimpft. Ältere wurden priorisiert. So ist nicht ganz auszuschließen, dass die niedrigeren Inzidenzraten in der dritten Welle teilweise auch darauf zurückzuführen sind, dass besonders durch solche Komplikationen gefährdete Menschen über 50 womöglich zumindest in der Akutphase schon durch die Impfung geschützt waren. Andere mögliche Einflussfaktoren wie Begleiterkrankungen, Krebsleiden, Operationen, Langzeitantikoagulation oder vorangegangene venöse Thromboembolien oder Blutungen – sofern sie ab 2017 auftraten – wurden bei der statistischen Auswertung berücksichtigt.

[1] Katsoularis I, Fonseca-Rodríguez O, Farrington P et al. Risks of deep vein thrombosis, pulmonary embolism, and bleeding after covid-19: nationwide self-controlled cases series and matched cohort study. BMJ. 2022 Apr 6;377:e069590.

https://www.bmj.com/content/377/bmj-2021-069590

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