Wie nachhaltig sind Immunantwort und Impfschutz bei mRNA-Vakzinen?

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Auch wenn mit einer zweiten mRNA-Impfdosis nicht-SARS-CoV-2-Infizierter keine so breite Antikörperantwort zu erzielen ist wie bei der einmaligen Impfung Rekonvaleszenter, ist die Neutralisierungskapazität des Plasmas bei ausschließlich Geimpften offenbar insgesamt größer. Das geht aus detaillierten Untersuchungen der Immunantwort bei 32 SARS-CoV-2-naiven Freiwilligen hervor [1]. Die klinische Schutzwirkung von BNT162b im Alltag wurde in einer Fall-Kontroll-Studie aus Katar evaluiert [3].

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von der Rockefeller University in New York haben die B-Zell-Antwort SARS-CoV-2-naiver Menschen auf eine Impfung mit mRNA-Vakzinen untersucht [1]. 24 der im Median 34,5 Jahre alten Probandinnen und Probanden erhielten BNT162b (BioNtech/Pfizer), 8 mRNA-1273 (Moderna). Blutentnahmen erfolgten durchschnittlich 2,5 Wochen nach der ersten Impfdosis sowie 1, 3 und 5 Monate nach der zweiten. Während die IgG-Reaktivität gegen die Rezeptor-bindende Domäne (RBD) des Spike-Antigens zwischen Erst- und Zweitimpfung signifikant zunahm, war sie im Zeitraum 1, 3–5 Monate nach Zweitimpfung zeitabhängig rückläufig. IgA- und IgM-Titer waren von vornherein niedrig und nahmen ebenfalls signifikant ab. Die Neutralisierungskapazität korrelierte mit den anti-RBD-IgG und nahm zwischen erster und zweiter Impfdosis zu. Obwohl sich anschließend, anders als nach SARS-CoV-2-Infektion, kein weiterer Anstieg von Stärke und Breite der Antikörperbildung einstellte, war die Neutralisierungskapazität insgesamt besser, als es nach natürlicher Infektion beobachtet wurde. Gegenüber Varianten war die Neutralisierungskapazität allerdings geringer als gegen den Wildtyp.

In Katar, wo bis Anfang September 2021 mindestens 90% der Bevölkerung im Alter über 12 Jahre einmal und mindestens 80% zweimal geimpft waren, hat ein Forschungsteam vom 1.1.2021 bis zum 5.09.2021 Real-World-Evidenzen aus der nationalen Datenbasis analysiert, um herauszufinden, wie nachhaltig BNT162b die Menschen im Land schützt [2]. Über 947.000 Personen waren mindestens einmal, nahezu 908.000 zweimal geimpft. Nach einem Peak nach der zweiten Impfdosis nahm die Schutzwirkung gegen eine SARS-CoV-2-Infektion rasch ab. Die Geimpften blieben aber über einen Beobachtungszeitraum von sechs Monaten vor Hospitalisierungen oder Tod aufgrund von COVID-19 geschützt. So stieg der Infektionsschutz von 36,8% drei Wochen nach der ersten Dosis auf 77,5% im ersten Monat nach der zweiten, fiel dann graduell und ab dem 4. Monat wieder ab und erreichte zwischen dem 5.–7. Monat nurmehr Werte um 20%. Die Wirksamkeit war in Bezug auf symptomatische Infektionen größer als gegenüber asymptomatischen Infektionen, nahm jedoch vergleichbar ab, sowohl im Hinblick auf Infektionen durch den Wildtyp als auch durch Virusvarianten. Die Wirksamkeit gegenüber schweren, kritischen oder fatalen COVID-19-Verläufen stieg bis zur dritten Woche nach Erstimpfung rasch auf 66,1%. Eine Wirksamkeit von 96% oder mehr in den ersten zwei Monaten nach der zweiten Dosis blieb dann auf ähnlich hohem Niveau von mindestens 90% über sechs Monate bestehen. Die beobachteten Wirkverluste waren in verschiedenen Altersgruppen ähnlich, wobei die Bevölkerung Katars insgesamt sehr jung ist: Nur 9% sind älter als 50 Jahre. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Populationen ist damit womöglich eingeschränkt. Die Autorinnen und Autoren rechnen jedoch damit, dass in den kommenden Monaten ein großer Teil der Geimpften seinen Infektionsschutz verlieren könnte.

[1] Cho A, Muecksch F, Schaefer-Babajew D et al.: Anti-SARS-CoV-2 receptor binding domain antibody evolution after mRNA vaccination. Nature. 2021 Oct 7. Epub ahead of print.

https://www.nature.com/articles/s41586-021-04060-7

[2] Chemaitelly H, Tang P, Hasan MR et al.: Waning of BNT162b2 Vaccine Protection against SARS-CoV-2 Infection in Qatar. N Engl J Med. 2021 Oct 6. Epub ahead of print.

https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMoa2114114

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