Wer COVID-19 hat und stirbt, stirbt überwiegend an und nicht mit der Infektion

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In einer prospektiven Post-mortem-Studie aus Hamburg wurde die COVID-19-Erkrankung bei 84,1% von 735 konsekutiv im Rahmen einer SARS-CoV-2-Infektion Gestorbenen als Todesursache nachgewiesen. Bei 73,6% der an COVID-19 Gestorbenen, die einer konventionellen Autopsie unterzogen wurden, lagen eine Lungenentzündung oder ein diffuser Alveolarschaden zugrunde; 9,4% starben an Thromboembolien. Autoptisch nachgewiesen wurden Thrombosen und Lungenembolien in 39,2% und 22,1%.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg haben zwischen März und Dezember 2020 735 SARS-CoV-2-assoziierte Todesfälle systematisch post mortem untersucht [1], davon 283 mittels konventioneller Autopsie, 41 mittels ultraschall-gesteuerter minimal-invasiver Autopsie, 411 mittels post-mortem-Computertomografie und 264 anhand der medizinischen Akten. Dabei stellte sich heraus, dass nur 6,4% Infizierte an anderen Ursachen starben. Bei 9,5% konnte die Todesursache nicht geklärt werden. In der Gruppe mit konventioneller Autopsie war die häufigste Todesursache die pulmonalen COVID-19-Manifestationen, gefolgt von Thromboembolien, kardialen und entzündlichen Komplikationen.

Wie erwartet waren Menschen, die an COVID-19 starben, älter, im Mittel 83 Jahre alt. Es waren etwas häufiger Männer (54,4%), und sie hatten durchschnittlich 2,9 Komorbiditäten. Nach kardiovaskulären und pulmonalen Vorerkrankungen waren neurologische Erkrankungen bei den an COVID-19 Gestorbenen aus der Autopsiegruppe mit 37% am häufigsten. Von denen, die mit, aber nicht an COVID-19 starben, waren rund 26% neurologisch vorerkrankt. Interessanterweise waren nur 21% der an der SARS-CoV-2-Infektion verstorbenen Menschen adipös, was in etwa der Verteilung der Adipositas in der Allgemeinbevölkerung in Deutschland entspricht. Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass in der Kohorte viele Bewohner und Bewohnerinnen von Altenheimen waren, die häufig unterernährt sind. Dies könne ein unterschätzter Risikofaktor sein. Insgesamt 28,5% der Patientinnen und Patienten, die an COVID-19 starben, starben außerhalb des Krankenhauses.

[1] Fitzek A, Schädler J, Dietz E et al.: Prospective postmortem evaluation of 735 consecutive SARS-CoV-2-associated death cases. Sci Rep. 2021 Sep 29;11(1):19342. doi: 10.1038/s41598-021-98499-3.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8481286/

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