Weniger Beatmungen und COVID-19-Tote durch Interleukin-1-Hemmung

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Eine aktuelle Metaanalyse von retrospektiven Kohortenstudien mit über 1.100 Patientinnen/Patienten [1] legt nahe: Eine Behandlung mit dem Interleukin-1 (IL-1)-Rezeptor-Antagonisten Anakinra könnte bei nicht-intubierten, hospitalisierten COVID-19-Patientinnen/-Patienten das Risiko für die Notwendigkeit einer invasiven Beatmung und das Sterberisiko reduzieren. Vermehrte Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.

Akutes Lungenversagen („acute respiratory distress syndrome“, ARDS) und eine durch einen Zytokinsturm vermittelte Hyperinflammation sind die Hauptursachen, warum COVID-19 zum Tode führt. Anakinra ist bei verschiedenen autoinflammatorischen Syndromen wie dem adulten Still-Syndrom und dem familiären Mittelmeerfieber zugelassen und hat sich auch bei anderen Zytokinfreisetzungs-Syndromen mit entzündlich bedingter Multiorgan-Dysfunktion als hilfreich erwiesen, etwa bei schwerer Sepsis oder Makrophagenaktivierungssyndrom. Aufgrund der kurzen Halbwertzeit lässt sich die Wirkung gut steuern. Da außer Dexamethason für kritisch Kranke mit SARS-CoV-2-Infektion nach wie vor keine gut etablierten Therapien zur Verfügung stehen, ist der Bedarf an weiteren Optionen – auch angesichts begrenzter Kapazität an Intensivbetten – weiter groß. Griechische Wissenschaftler haben für eine Metaanalyse zur Wirksamkeit und Sicherheit von Anakinra bei hospitalisierten COVID-19-Patienten/-Patientinnen die aktuellen Literaturdaten ausgewertet [1]. Insgesamt gingen neun Studien in die Analyse ein. Da es bislang keine placebo-kontrollierten, randomisierten Studien zur Fragestellung gibt, handelte es sich überwiegend um Kohortenstudien mit meist retrospektiver Betrachtung.

Die Odd-Ratio (OR) zu sterben betrug im Verhältnis zur Standardtherapie bei den insgesamt 1.119 eingeschlossenen Patienten/Patientinnen 0,32. Die OR für eine invasive Beatmung ließ sich bei 587 Patienten/Patientinnen aus sechs der Studien mit 0,38 im Vergleich zur Standardtherapie ermitteln. Anders als aufgrund früherer, kleinerer Datensammlungen zu vermuten, kam es dabei nicht zu vermehrten Blutbahninfektionen. So war die Wahrscheinlichkeit für eine Bakteriämie unter Anakinra nur um 7% häufiger als bei Standardtherapie. Der Unterschied war nicht signifikant. Die relative Wahrscheinlichkeit für Leberwerterhöhungen war mit 0,75 sogar tendenziell niedriger als bei den nach Standard behandelten Patienten.

In den meisten Studien wurde Anakinra subkutan verabreicht, allerdings in unterschiedlichen Dosierungen und unterschiedlich lange. Zu den sonst verwendeten Standardtherapien gehörten Breitspektrum-Antibiotika, Azithromycin und Hydroxychloroquin. In drei Studien wurden hohe Dosen an Glukokortikoiden verabreicht.

Die Wirksamkeit von Anakinra muss nun, so die Autorinnen/Autoren der Metaanalyse, in randomisiert-kontrollierten Studien überprüft werden.

[1] Barkas F, Ntekouan SF, Kosmidou M et al.: Anakinra in hospitalized non-intubated patients with coronavirus disease 2019: a systematic review and meta-analysis. Rheumatology (Oxford). 2021 May 17: keab447

https://academic.oup.com/rheumatology/advance-article/doi/10.1093/rheumatology/keab447/6276997