Wenig Nutzen einer Thrombozytenaggregationshemmung bei kritischer COVID-19-Erkrankung

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Eine Analyse im Rahmen der REMAP-CAP-Studie untersuchte retrospektiv, ob eine Thrombozytenaggregationshemmung (mit ASS oder den P2Y12-Hemmern Clopidogrel, Prasugrel oder Ticlopidin) das Outcome bei über 1.500 kritisch kranken Erwachsenen mit COVID-19 verbesserte. Im Ergebnis brachte die TAH additiv zur Antikoagulation keinen sichern Nutzen im Hinblick auf die Notwendigkeit eines respiratorischen oder kardiovaskulären Supports über drei Wochen.

Die internationale REMAP-CAP-Studie [1] evaluiert seit 2016 die Behandlung ambulant erworbener Pneumonien mit verschiedenen Interventionen, mit dem Ziel, das Outcome zu verbessern. Eine aktuelle Analyse aus 105 Kliniken in acht Ländern bewertete nun die Effektivität einer Thrombozytenaggregationshemmung (TAH) bei 1.557 kritisch kranken Erwachsenen mit COVID-19. Die Teilnehmenden (medianes Alter 57 Jahre, 33,6% weiblich) erhielten über 14 Tage additiv zur Antikoagulation randomisiert entweder ASS (n=565), einen P2Y12-Hemmer (Clopidogrel, Prasugrel oder Ticlopidin; n=455) oder keine TAH (Kontrollen; n=529). Primärer Endpunkt war die Zeitdauer (Tage) ohne therapeutische Organ-Unterstützung (d. h. ohne intensivtherapeutischen respiratorischen oder kardiovaskulären Support) bis Tag 21. Sekundäre Endpunkte beinhalteten das Überleben (Entlassung) und große Blutungsereignisse. Eine Odds Ratio (OR) >1 bedeutete besseres Überleben und/oder mehr Tage ohne Organsupport. Die TAH-Wirksamkeit war definiert als (a posteriori) Wahrscheinlichkeit >99% für eine OR>1; Unwirksamkeit als Wahrscheinlichkeit >95% für eine OR<1,2.

Die ASS- und die P2Y12-Inhibitor-Gruppe entsprachen den definierten Äquivalenz-Kriterien und wurden für weitere statistische Analysen gepoolt. Die Zeiten ohne Organunterstützung betrugen in beiden TAH-Gruppen sowie in der Kontrollgruppe sieben Tage (IQR 1-16; adj. OR 1,02). Entlassen wurden 71,5% (723/1.011) in der TAH- und 67,9% (354/521) in der Kontrollgruppe (adj. OR 1,27; 97% Wahrscheinlichkeit für Wirksamkeit). Bei den Überlebenden betrug die mediane Organsupport-freie Zeit in beiden Gruppen 14 Tage. Größere Blutungen traten bei 2,1% in der TAH- und 0,4% in der Kontrollgruppe auf (adj. OR 2,97).

[1] Bradbury C, Lawler PR, Stanworth SJ et al. REMAP-CAP Writing Committee for the REMAP-CAP Investigators. Effect of Antiplatelet Therapy on Survival and Organ Support-Free Days in Critically Ill Patients With COVID-19: A Randomized Clinical Trial. JAMA 2022 Mar 22. 

https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2790488

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