Vorübergehende Rhombenzephalitis nach COVID-19-Impfung

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Kanadische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berichten von einer Patientin mit Enzephalitis nach COVID-19-Impfung, deren Symptome ebenso wie die beobachteten MRT-Veränderungen im Verlauf ohne Therapie spontan abklangen [1].

Zwölf Tage nach der zweiten Impfung gegen COVID-19 mit mRNA-1273-Vakzine (Moderna) – die erste Impfung war drei Monate zuvor mit AZD1222 (AstraZeneca) erfolgt – stellte sich die 59-Jährige mit seit zwei Tagen bestehenden Gang- und Koordinationsstörungen, Schwindel, beidseitigen Doppelbildern, perioralen Parästhesien, Taubheitsgefühl in der rechten Hand und Lethargie vor [1]. Klinisch-neurologisch fanden sich ein horizontaler Nystagmus, Hypästhesien der Unterlippe sowie eine beidseitige Dysdiadochokinese der Hände und Dysmetrie im Knie-Hacke-Versuch, fehlendem Rebound-Phänomen und breitbasigem, ataktischen Gang mit Seitwärtsdrall und verminderter Schrittlänge. Nebenbefundlich sensible Ausfälle der rechten Hand im Versorgungsbereich des Nervus medianus mit positivem Tinel-Zeichen bei vorbekanntem Carpaltunnelsyndrom. Laborchemisch fand sich im Liquor eine leichte Erhöhung von Eiweiß, Glukose und Lymphozytenzahl. Oligoklonale Banden, erhöhte IgG-Spiegel oder Hinweise auf einen Virusinfekt ergaben sich nicht. Das MRT vor Kontrastmittelgabe war unauffällig. Mit Kontrastmittel fanden sich fokale Anreicherungen in Großhirnrinde, Hirnstamm und Kleinhirn als Hinweis auf eine Störung der Blut-Hirn-Schranke. Ödeme oder Zeichen einer demyelinisierenden Erkrankung wurden nicht beobachtet.

 Die Patientin wurde nicht behandelt, sondern abwartend beobachtet. Nach zehn Tagen hatte sich ihr Gangbild deutlich verbessert, und die MRT-Veränderungen waren weitgehend abgeklungen.

Klinisch seien die Befunde mit einer Rhombenzephalitis zu vereinbaren. Die Autorinnen und Autoren gehen von einer vorübergehenden, autoimmun vermittelten Störung aus.

Berichte zu Enzephalitiden nach COVID-19-Impfung sind ausgesprochen selten. Die SARS-CoV-2-Infektion birgt diesbezüglich sowohl im Hinblick auf die Häufigkeit als auch die Schwere ein wesentlich höheres Risiko.

[1] Rastogi A, Bingeliene A, Strafella AP et al. Reversible Neurological and Brain MRI Changes Following COVID-19 Vaccination: A Case Report. J Neuroradiol. 2022 Apr 2:S0150-9861(22)00107-9.

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0150986122001079?via%3Dihub

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