Vorbestehende psychiatrische Erkrankungen und vorbestehende Autoimmunerkrankungen beeinträchtigen die Prognose

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Eine Studie aus den USA [1], deren Ergebnisse in einem „Research Letter“ in JAMA publiziert wurden, untersuchte den Einfluss vorbestehender psychiatrischer Erkrankungen auf die COVID-19-Mortalität. Wie sich zeigte, war das Risiko dieser Patienten zu versterben im Vergleich zu vorher gesunden COVID-19-Patienten um 50% erhöht. Eine andere Studie zeigte, dass auch vorbestehende Autoimmunerkrankungen das Risiko für schwere COVID-19-Verläufe, Hospitalisierung und Sterblichkeit erhöhen, insbesondere rheumatische Erkrankungen.

Die Studie [1] war im Nordosten der USA durchgeführt worden und wertete die Daten von 1.685 hospitalisierten COVID-19-Patienten aus. Das mittlere Alter der Patienten betrug 65 Jahre, gut die Hälfte (52,6%) war männlich. Bei 473 Patienten (28%) war vor Aufnahme in das Krankenhaus wegen COVID-19 eine psychiatrische Erkrankung diagnostiziert worden. Diese Patienten waren deutlich älter als die Gesamtpopulation, häufiger weißer Hautfarbe und hatten zudem mehr physische Komorbiditäten (Krebs, Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus, Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen, Myokardinfarkte oder HIV-Infektion).

Insgesamt verstarben 318 Patienten aus der Gesamtkohorte. Die Auswertung zeigte, dass die 2-, 3- und 4-Wochen-Mortalität der Patienten mit psychiatrischen Vorerkrankungen deutlich erhöht war (p<0,001). Der Unterschied zwischen den Gruppen im Hinblick auf die Sterblichkeit war am Anfang der COVID-19-Erkrankung besonders ausgeprägt, so war die 2-Wochen-Mortalität bei den Patienten mit psychiatrischen Störungen mehr als doppelt so hoch (35,7% vs. 14,7%).

Nach Ansicht der Autoren ist nicht klar, was die Übersterblichkeit von COVID-19-Patienten mit psychiatrischen Vorerkrankungen verursacht. Eine Hypothese ist, dass psychiatrische Erkrankungen die systemische Inflammation verstärken und die Immunantwort beeinträchtigen. Auch könnten psychotrope Medikamente das Mortalitätsrisiko erhöhen.

Eine Metaanalyse [2], die 62 Beobachtungsstudien mit insgesamt über 300.000 Patienten mit Autoimmunerkrankungen auswertete, zeigte, dass die COVID-19-Prävalenz in dieser Patientengruppe bei 0,011 lag. Eine Auswertung von sieben Fall-Kontroll-Studien ergab, dass das Risiko von Menschen mit Autoimmunerkrankungen, an COVID-19 zu erkranken, mehr als doppelt so hoch war wie in der Kontrollgruppe. Interessanterweise erhöhte dabei die Behandlung mit Glukokortikoiden das Infektionsrisiko der Patientinnen und Patienten.

Die Metaanalyse ergab weiter, dass rheumatische Erkrankungen die höchste Hospitalisierungs- und Sterblichkeitsrate zeigten. Neben Alter und weiteren Komorbiditäten trug die Therapie mit konventionellen synthetischen „disease-modifying anti-rheumatic drugs“ (DMARDs) bzw. die Kombinationstherapie aus biologischen/zielgerichteten synthetischen und konventionellen synthetischen DMARDs maßgeblich zum schlechten Outcome bei. Eine Monotherapie mit biologischen/zielgerichteten synthetischen DMARDs hingegen, insbesondere die Therapie mit Anti-TNF-Antikörpern, schien vor schweren Verläufen zu schützen. Das hatte auch bereits eine Auswertung des „COVID-19 Global Rheumatology Alliance“-Registers ergeben, wie die Autoren hervorheben.

[1] Li L, Li F, Fortunati F et al. Association of a Prior Psychiatric Diagnosis With Mortality Among Hospitalized Patients With Coronavirus Disease 2019 (COVID-19) Infection. JAMA Netw Open. 2020; 3(9): e2023282.

https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2771037

[2] Akiyama S, Hamdeh S, Micic D et al. Prevalence and clinical outcomes of COVID-19 in patients with autoimmune diseases: a systematic review and meta-analysis. Ann Rheum Dis Epub ahead of print: October 13, 2020.

https://ard.bmj.com/content/early/2020/10/13/annrheumdis-2020-218946