VITT mit Sinusvenenthrombose führt gehäuft zu intrazerebralen Blutungen und Koma

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Menschen mit Sinusvenenthrombose (SVT) im zeitlichen Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Impfung, die die Kriterien eines Vakzine-induzierten immunologischen Thrombose-Thrombozytopenie-Syndroms (VITT) erfüllen, haben eine hohe Mortalität. Eine Kohortenstudie mit 116 Betroffenen [1] zeigt, dass 47% mit SVT und VITT im Krankenhaus versterben. Die klinische Präsentation unterscheidet sich deutlich von der bei SVT in der Vor-COVID-19-Ära und auch von SVT nach COVID-19-Vakzinierung ohne Erfüllung der VITT-Kriterien.

Um etwaige Unterschiede bei den klinischen Charakteristika und Outcomes bei SVT nach COVID-19-Impfung mit und ohne VITT herauszufinden, hat ein Forschungsteam aus verschiedenen Ländern der Welt internationale Registerdaten ausgewertet [1]. Verglichen wurden zwei Gruppen aus einer konsekutiven Kohorte von Betroffenen, die im Zeitraum zwischen dem 29.03. bis zum 18.06.2021 innerhalb von 28 Tagen nach COVID-19-Impfung eine SVT erlitten und die Kriterien für ein VITT entweder erfüllten oder nicht. Behandelt wurden die Patientinnen und Patienten in 81 Kliniken in 19 Ländern. Als Vergleichsgruppe dienten 207 SVT-Betroffene aus einem internationalen Register aus den Jahren 2015-2018.

81%, 79% und 70% in den drei Gruppen waren Frauen. Das Durchschnittsalter lag bei 45, 55 und 42 Jahren. Von den 116 Patienten und Patientinnen mit Post-Vakzinierungs-SVT hatten 67,2% ein VITT. Von diesen 78 waren 76 mit ChAdOx1 nCov-19 geimpft worden. 32,8% hatten keinen Hinweis auf ein VITT. Begleitende Thromboembolien traten bei 36% in der VITT-Gruppe, bei 6% ohne VITT und bei 4,9% in der Kontrollgruppe auf. 47%, 5% und 3,9% starben. Innerhalb der VITT-Gruppe ergaben sich Unterschiede, je nachdem, in welchem Zeitraum die SVT auftrat. Als noch nicht über die Vakzine-induzierte immunogene thrombotische Thrombozytopenie diskutiert wurde, starben 61%. Nachdem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf dieses Problem aufmerksam geworden waren und gezielte Therapien erfolgten, waren es 42%.

Klinisch unterschied sich die SVT mit VITT von den beiden anderen Formen zudem darin, dass die Erkrankten mit 24% zum Zeitpunkt der ärztlichen Vorstellung häufig komatös waren und in 68% der Fälle intrazerebrale Blutungen aufwiesen. Die Klassifizierung als VITT beruht auf dem Nachweis einer Thrombose zusammen mit einer neu aufgetretenen Thrombozytopenie ohne Heparin-Exposition. Diese Kriterien wurden geschaffen, um festzulegen, ob es sich bei einem thrombembolischen Ereignis innerhalb eines Monats nach SARS-CoV-2-Impfung tatsächlich um die Folgen einer VITT handelt.

[1] Sánchez van Kammen M, Aguiar de Sousa D, Poli S et al.: Characteristics and Outcomes of Patients With Cerebral Venous Sinus Thrombosis in SARS-CoV-2 Vaccine-Induced Immune Thrombotic Thrombocytopenia. JAMA Neurol. Published online September 28, 2021.

https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/fullarticle/2784622

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