Vitamin-K-Mangel als potenziell modifizierbarer Risikofaktor bei COVID-19

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SARS-CoV-2-Infektionen verlaufen meistens mild, bei einem signifikanten Teil der Patienten entwickeln sich jedoch schwere Symptome bis zum pulmonalen Versagen oder folgenreiche Koagulopathien. Da bei der Balance zwischen Gerinnung und Fibrinolyse Vitamin K eine entscheidende Rolle spielt, ging eine Studie der Hypothese nach, dass der Vitamin-K-Status bei kritisch kranken COVID-19-Patienten gestört sein könnte.

Bei 134 Covid-19-Patienten (68±12 Jahre, 70% männlich) und 184 Kontrollen wurden das inaktive, Vitamin-K-abhängige „dp-ucMGP“ (dephosphoryliertes uncarboxyliertes Matrix-Gla-Protein) und “PIVKA-II” (“protein induced by vitamin K absence”), ein decarboxyliertes Prothrombin, die beide invers mit dem extra- und intrahepatischen Vitamin-K-Status korrelieren, gemessen – außerdem Desmosin, welches die Elastinabbaurate repräsentiert, die bei Vitamin-K-Mangel erhöht ist.

Die Dp-ucMGP-Spiegel waren gegenüber Gesunden (471 pmol/l) bei COVID-19-Patienten signifikant erhöht (1476 pmol/l; p<0,001); ebenso bei schwerem COVID-19-Verlauf (1998 pmol/l) gegenüber günstigem Verläufen (1157 pmol/l; p<0,001). Dp-ucMGP korrelierte signifikant mit dem Desmosin-Spiegel, außerdem mit den computertomografisch gemessenen Kalzifizierungsscores der Koronarien und der thorakalen Aorta. PIVKA-II war bei 82% der COVID-19-Patienten normal (leicht erhöht bei 13%, moderat bei 4% und stark bei 0,8%).

Die Autoren werten die mit dem COVID-19-Schweregrad assoziierte Dp-ucMGP-Erhöhung als Zeichen eines extrahepatischen Vitamin-K-Mangels – möglicherweise Pneumonie-induziert. In der Folge komme es zum verstärkten Elastinabbau und erhöhter Gerinnungsneigung. Es bleibe zu klären, ob ein Vitamin-K-Mangel direkt für einen schwereren Verlauf prädisponiere, oder ob es sich um ein Epiphänomen handelt. Zur weiteren Klärung der Zusammenhänge seien nun Interventionsstudien mit Vitamin-K-Supplementierung bei COVID-19-Patienten notwendig.

Dofferhoff AS, Piscaer I, Schurgers LJ et al. Reduced Vitamin K Status as A Potentially Modifiable Prognostic Risk Factor in COVID-19. Preprints 2020, 2020040457 (doi: 10.20944/preprints202004.0457.v1).

https://www.researchgate.net/publication/341725935_Reduced_Vitamin_K_Status_as_A_Potentially_Modifiable_Prognostic_Risk_Factor_in_COVID-19