Unterschiede bei Myokarditiden und isolierten Perikarditiden nach COVID-19-Impfungen

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Anhand einer Auswertung von Gesundheitsdaten aus 40 US-Kliniken haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersucht, wie häufig Myokarditiden und isolierte Perikarditiden jeweils in der Phase vor und nach Einführung der SARS-CoV-2-Impfungen aufgetreten waren [1]. Demnach wurden in der Prävakzine-Phase von Januar 2019 bis Januar 2021 jeden Monat durchschnittlich 16,9 Myokarditiden und 49,1 Perikarditiden ohne Myokarditis beobachtet. Zwischen Februar 2021 und Mai 2021, als bereits geimpft wurde, waren es signifikant mehr: 27,3 und 49,1. Insgesamt wurden mehr als 2 Millionen Menschen in dem untersuchten Gesundheitsverband geimpft.

An der Analyse [1] waren 40 Kliniken des Providence Health Care Systems in Washington, Oregon, Montana und Los Angeles County in Kalifornien beteiligt, die die gleichen elektronischen Gesundheitsakten nutzten. Erfasst wurden alle Patientinnen und Patienten, die bis zum 25. Mai 2021 gegen COVID-19 geimpft wurden. Die Diagnosen von Myokarditiden, Perimyokarditiden und Perikarditiden wurden anhand der Gesundheitsakten verifiziert.

2.000.287 Menschen erhielten mindestens eine, 76,5% davon zwei Impfdosen. Hiervon bekamen 52,6 % den Impfstoff von Pfizer/BioNTech, 44,1 % den von Moderna und 3,1 % die Vektor-Vakzine von Janssen/Johnson & Johnson. 58,9 % der Geimpften waren Frauen. Das mittlere Alter betrug 57 Jahre.

Nach der Impfung entwickelten 20 eine Myokarditis und 37 eine isolierte Perikarditis. Mit 1,0 und 1,8 pro 100.000 lagen die entsprechenden Inzidenzen höher als in den Meldungen der „Centers for Disease Control and Prevention“ (CDC) aus dem Juni 2021, aus denen sich eine Vakzine-induzierte-Myokarditis-Inzidenz von 0,48 pro 100.000 ergab [2].

Das Muster war hingegen ähnlich: So traten Myokarditiden in 75 % der Fälle bei Männern im Alter von 26-48 Jahren auf (im Median 36 Jahre). Die Manifestation erfolgte in 20% nach der ersten und in 80% der Fälle nach der zweiten Impfung, wobei 55 % den Pfizer/BioNTech- und 45 % den Moderna-Impfstoff erhalten hatten. Im Median manifestierte sich die Herzmuskelentzündung 3,5 Tage nach der Impfung. Zwar wurden 95 % der Betroffenen ins Krankenhaus aufgenommen, sie konnten aber im Median nach 2 Tagen wieder entlassen werden. Niemand starb oder musste erneut aufgenommen werden. Bei der bislang letzten Nachuntersuchung, im Median 23,5 Tage nach Symptombeginn, waren 65 % beschwerdefrei und 35 % ging es besser. Zwei Patienten erhielten nach Auftreten einer Myokarditis problemlos eine zweite Impfung.

Bei Patientinnen/Patienten mit reiner Perikarditis ergaben sich einige Unterschiede. Zwar waren auch sie mit 73 % überwiegend männlich. Sie waren jedoch deutlich älter, im Median 59 Jahre. Auch dauerte es im Median 20 Tage nach der letzten Impfung, bis die Betroffenen Beschwerden bekamen. Bei 40,5% der Betroffenen manifestierte sich die Perikarditis nach der ersten und bei 59,5% nach der zweiten Impfung. Anders als bei den Myokarditiden hatten in dieser Gruppe auch zwei Patienten (5 %) die Vektor-Vakzine von Janssen/Johnson & Johnson erhalten. 35 % wurden stationär aufgenommen und im Median nach einem Tag wieder entlassen. Niemand starb, sieben erhielten eine zweite Impfdosis. Beim letzten Follow-up nach im Median 28 Tagen hatten sich 19 % komplett erholt und 62 % ging es zumindest besser.

[1] Diaz GA, Parsons GT, Gering SK et al.: Myocarditis and Pericarditis After Vaccination for COVID-19. JAMA. Published online August 04, 2021.

https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2782900

[2] Wallace M, Oliver S: COVID-19 mRNA vaccines in adolescents and young adults: benefit-risk discussion. Slide 28. Published June 23, 2021.

https://www.cdc.gov/vaccines/acip/meetings/downloads/slides-2021-06/05-COVID-Wallace-508.pdf [letzter Zugang: 10.08.21]

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