Übersichtsarbeit zu immunologischen Impfnebenwirkungen

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Immunvermittelte und autoimmune Nebenwirkungen von Impfungen gegen COVID-19 sind insgesamt selten und überwiegend nicht lebensbedrohlich. Entweder kommen sie nur sehr selten oder ähnlich oft wie in der Allgemeinbevölkerung vor; jedenfalls sind sie seltener als bei der Infektion selbst. Dieses Fazit zieht ein internationales Team von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen nach einer umfassenden Literaturrecherche [1].

Die Sorge vor Nebenwirkungen ist der Hauptgrund, warum viele Menschen zögern, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen. Bedenken bestehen besonders im Hinblick auf immunvermittelte und autoimmune Nebenwirkungen. Um mit sachlicher Aufklärung dagegenhalten zu können, haben Autorinnen und Autoren aus der Türkei, Israel, dem Vereinten Königreich und Kanada in einem Review die Literatur zu solchen Nebenwirkungen zusammengetragen und geben dazu, wie auch zu den verschiedenen Impfstoffen, einen Überblick [1]. Der Fokus lag auf den drei Hauptvakzinen BNT162b2, mRNA-1273, and ChAdOx1.

Bei mRNA-Vakzinen ist demnach am ehesten mit dem gehäuften Auftreten von Fazialisparesen und Myokarditiden zu rechnen. Doch abgesehen davon, dass auch diese selten sind, verlaufen sie in der Regel mild, und die Betroffenen erholen sich komplett. So wurden beispielsweise in einer Studie aus Singapur mit 1,4 Millionen zu 86,7% mit BNT162b2 und zu 13,3% mit mRNA-1273 Geimpften insgesamt nur elf Personen mit einer Fazialisparese und 27 mit einer anderen kranialen Mononeuropathie diagnostiziert. Umfangreiche Daten zu Myokarditiden nach COVID-19-Impfung gibt es vor allem aus Israel, wo Massenimpfungen mit mRNA-Impfstoffen erfolgten. Nach Impfung von 5,1 Millionen Menschen mit zwei Impfdosen entwickelten insgesamt 283 Personen Myokarditis-Symptome, die Hälfte davon nach BNT162b2. Am häufigsten beobachtet wurden Herzmuskelentzündungen nach der zweiten Impfdosis bei jungen Männern zwischen 16-19 Jahren. Alle hatten einen milden Verlauf.

Die Vakzine-Induzierte immune thrombotische Thrombozytopenie (VITT) ist eine seltene, aber gesicherte Komplikation nach Impfungen mit Vektor-basierten Impfstoffen und kann zu Sinus- und Hirnvenenthrombosen, Pfortaderthrombosen, aber auch sonstigen Ischämien, führen. Zu 85% sind Frauen unter 60 Jahren betroffen. Hierzu haben wir mehrfach berichtet.

Zu transversen Myelitiden gibt es ebenso wie zu Enzephalitiden nur Fallberichte oder kleinere Serien, weitgehend ohne gesicherten Kausalzusammenhang und mit gutem Ansprechen auf Glukokortikoide und gegebenenfalls weitere immunmodulatorische Behandlungen. Ein Guillain-Barré-Syndrom (GBS) wird nach Vektor-basierten Impfstoffen häufiger als nach mRNA-Vakzinen beschrieben – der kausale Zusammenhang ist nicht gesichert.

[1] Mahroum N, Lavine N, Ohayon A et al. COVID-19 Vaccination and the Rate of Immune and Autoimmune Adverse Events Following Immunization: Insights From a Narrative Literature Review. Front Immunol. 2022 Jul 5;13:872683.

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fimmu.2022.872683/full

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