Übersicht über CT- und MRT-Befunde bei Neuro-COVID

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Im Rahmen von SARS-COV-2-Infektionen wurde eine Vielfalt neurologischer Syndrome beschrieben. Eine rasche Bildgebung ist im Verdachtsfall oft entscheidend, um Schweregrad und Ausdehnung eines Befalls des Nervensystems zu erfassen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Polen haben jetzt die wichtigsten zentralen und peripheren neurologischen COVID-19-Komplikationen, die einer CT- oder MRT-Bildgebung zugänglich sind, in einem Übersichtsartikel zusammengefasst [1]. An erster Stelle steht der akute ischämische Schlaganfall.

Neurologische COVID-19-Symptome können den Atemwegssymptomen vorausgehen, aber auch noch in Spätstadien und sogar Monate nach klinischer Erholung auftreten. Auch wenn nicht viele radiologische Zeichen neurologischer Komplikationen COVID-19-spezifisch sind, macht der frühzeitige Einsatz bildgebender Verfahren bei entsprechenden klinischen Hinweisen Sinn. Durch eine gezielte Therapie und weiteres Monitoring lassen sich mitunter Langzeitkomplikationen vermeiden und die Erholung beschleunigen. Ein Forscherteam in Warschau hat jetzt die wichtigsten CT- und MRT-Befunde neurologischer COVID-19-Manifestationen beispielhaft zusammengetragen [1].

Der häufigste neuroradiologische Befund bei COVID-19-Patienten und -Patientinnen mit neurologischen Symptomen ist der akute ischämische Schlaganfall. Weitere mögliche akute zerebrovaskuläre Manifestationen sind Subarachnoidalblutungen mit und ohne Aneurysma, zerebrale Venenthrombosen und ZNS-Vaskulitiden.

Akute transverse Myelitiden (ATM) sind für etwa 1,2% der neurologischen COVID-19-Komplikationen verantwortlich. Im MRT finden sich dabei Rückenmark-Ödeme mit Hyperintensitäten in der T2-Wichtung, zum Teil mit Signalverstärkung nach Gadolinium-Gabe. Bei 70-93% der Betroffenen erstrecken sich die Läsionen über mindestens drei Segmente.

Bei Patientinnen und Patienten mit kognitiver Dysfunktion im Rahmen des noch schlecht verstandenen Long-COVID-Syndroms finden sich mitunter drei Monate nach der Akuterkrankung Läsionen in der weißen Hirnsubstanz und Störungen der funktionellen Integrität, etwa im Hippocampus. SARS-CoV-2-spezifische Befunde, die sich von denen bei Kleingefäßerkrankungen älterer Menschen unterscheiden ließen, werden aber nicht beschrieben.

Bei Meningoenzephalitiden wird nach Gadolinium-Gabe eine pachymeningeale Signalverstärkung beobachtet. Die Autorinnen und Autoren beschreiben des Weiteren MRT- und CT-Befunde bei posteriorem reversiblen Enzephalopathie-Syndrom (PRES), akuter disseminierter Enzephalomyelitis (ADEM), bei hämorrhagischer nekrotisierender Enzephalopathie und Bickerstaff-Hirnstamm-Enzephalitis.

Zu den ebenfalls erörterten Manifestationen seitens des peripheren Nervensystems zählen neben den Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) und das Miller-Fisher-Syndrom.

[1] Sklinda K, Dorobek M, Wasilewski PG et al. Radiological Manifestation of Neurological Complications in the Course of SARS-CoV-2 Infection. 2021, Front. Neurol. 12:711026.

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fneur.2021.711026/full

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