Trotz geringerer Mortalität hohe Omikron-Morbidität bei Immunsupprimierten

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Wenn Immunsupprimierte mehrfach gegen SARS-CoV-2 geimpft sind, haben sie bei Infektionen durch Omikron zwar eine niedrige Mortalität, aber sie müssen doch häufig ins Krankenhaus und haben oft länger Symptome. Das geht aus Daten einer niederländischen Studie hervor, die während der Dominanz der Omikron-Variante BA.1 erhoben wurden [1]. In der Studie profitierten vor allem Menschen mit einer transplantierten Lunge von einer frühzeitigen Antikörpertherapie mit Sotrovimab.

Im „Erasmus University Medical Center“ in Rotterdam wurden Daten von 114 konsekutiven, mit Omikron infizierten immunsupprimierten Patientinnen und Patienten nach Organ- oder allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation sowie unter anti-CD20-Therapie ausgewertet [1]. Von diesen hatten 89% drei COVID-19-Impfungen mit einem mRNA-Impfstoff erhalten, 12 % sogar eine vierte Impfung.

Mit nur 1% war die Gesamtmortalität dabei deutlich geringer als die Rate von 14-20%, die bei anderen besorgniserregenden Varianten nach solider Organtransplantation beobachtet worden war. Wenngleich ebenfalls geringer als bei früheren Varianten, war die Hospitalisierungsrate mit 20% für im Durchschnitt elf Tage immer noch hoch.

Ein wesentlicher Risikofaktor für eine Hospitalisierung waren niedrige anti-SARS-CoV-2-Immunglobulin G (IgG)-Spiegel bei Aufnahme mit <300 „Binding Antibody Units“ (BAU) pro Milliliter. Dies betraf 92% der 23 Hospitalisierten. Trotz mehrfacher Impfungen waren 70% sogar seronegativ. Signifikant mit der Notwendigkeit eines Krankenhausaufenthaltes assoziiert waren ferner ein höheres Lebensalter, Lungentransplantation, Komorbiditäten und ein höherer Frailty-Score, also Gebrechlichkeit. Am Ende der Nachbeobachtung 30 Tage nach der Infektion waren 25% der Betroffenen immer noch symptomatisch.

Während von 17 Erkrankten mit Herz- und 18 mit Lebertransplantation niemand stationär aufgenommen werden musste, war die Hospitalisierungsrate mit 69% nach Lungentransplantation besonders hoch. Entsprechend wurde das klinikinterne Protokoll im Verlauf dahingehend geändert, dass eine Antikörpertherapie mit Sotrovimab gefährdeten Patientinnen und Patienten gegeben wurde. Von 23 Hospitalisierten erhielten 17 Sotrovimab und 16 konnten ohne mechanische Beatmung wieder entlassen werden. Ein Patient mit mehreren Begleiterkrankungen und einem hohen Frailty-Score von 7, der nicht beatmet wurde, verstarb. Nach Gabe des Antikörpers bereits in der Ambulanz musste nur noch eine Person von 14 Lungentransplantierten, die Sotrovimab erhalten hatten, aufgenommen werden.

[1] Malahe SRK, Hoek RAS, Dalm VASH et al. Clinical characteristics and outcome of immunocompromised patients with COVID-19 caused by the Omicron variant: a prospective observational study. Clin Infect Dis. 2022 Jul 23: ciac571

https://academic.oup.com/cid/advance-article/doi/10.1093/cid/ciac571/6649068?login=false

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