Trotz fallender Antikörpertiter noch robuste Immunantwort nach drei Monaten

© iStock/koto_feja

Noch immer gibt es relativ wenig Daten zur Antikörper-Kinetik nach COVID-19-Impfung. Die meisten Analysen erfolgten recht kurzfristig nach der zweiten Impfung. Belgische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben jetzt Dreimonatsdaten [1] von 200 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern ausgewertet, die mit zwei Dosen BNT162b2 geimpft wurden. Dabei ergab sich zwar ein deutlicher Titer-Abfall über drei Monate, dennoch blieb die humorale Immunantwort insgesamt robust.

Wie lange die Impfungen gegen COVID-19 schützen, ist nach wie vor unklar. Zunehmend wird über eine dritte Impfdosis diskutiert. Um die Antikörperantwort nach Vakzinierung im Langzeitverlauf besser abschätzen zu können, wird im Rahmen von CRO-VAX HCP, einer laufenden prospektiven Multicenterstudie in Belgien, 200 Menschen, die im Gesundheitswesen tätig sind und die zweimal mit BNT162b2 geimpft wurden, regelmäßig Blut abgenommen. Jetzt legten die Forscherinnen und Forscher die Dreimonatsdaten vor [1].

66,5% der Teilnehmenden waren Frauen. Sie waren durchschnittlich 43 Jahre alt, die Männer 41. Die erste Blutentnahme erfolgte innerhalb von zwei Tagen vor der ersten Impfdosis. Demnach waren 71% der Teilnehmer zu Studienbeginn seronegativ. 29% waren seropositiv, hatten sich also im Vorfeld infiziert. Im weiteren Verlauf wurden Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Nucleocapsid zum Nachweis einer stattgehabten Infektion und gegen die rezeptorbindende Domäne des Spike-Proteins zur Beurteilung der Impfantwort jeweils nach 14, 28, 42, 56 und 90 Tagen bestimmt.

Daraus ermittelte die Arbeitsgruppe, dass die maximale Antikörperkonzentration von Antikörpern gegen das Spike-Protein (anti-S) bei zur Baseline Seronegativen nach der ersten Impfdosis nach 36±3 Tagen und bei Seropositiven bereits nach 24±4 erreicht wird. Die geschätzten Halbwertszeiten lagen bei 55 und 80 Tagen. Insgesamt war die Antikörperantwort bei initial seronegativen Geimpften durchgehend niedriger als bei seropositiven. Die maximalen Mittelwerte wurden nach 28 Tagen gemessen und betrugen 2.204 U/ml und 16.935 U/ml. Keiner der initial seronegativen Teilnehmer und Teilnehmerinnen entwickelte im Verlauf Antikörper gegen das Nucleocapsid.

Auch wenn es im Laufe der drei Monate in beiden Gruppen zu einem deutlichen Abfall der Antikörpertiter, um 37,9% bei seronegativen und um 44,7% bei seropositiven, kam, blieb die Impfantwort insgesamt bei allen Teilnehmenden robust. Zudem war sie nach Angaben der Autorinnen und Autoren höher als bei den mit gleichen Testverfahren untersuchten Rekonvaleszenten in anderen Studien.

Basierend auf den Halbwertszeiten spekulieren die Forscherinnen und Forscher, dass die Antikörpertiter bei Seronegativen nach voraussichtlich 554 Tagen und bei Seropositiven nach 1.184 Tagen unter die Positivitätsgrenze fallen. Diese liegt für anti-S-Antikörper bei 0,8 U/ml. Neutralisierungskapazität und zelluläre Immunreaktionen wurden in der Studie nicht untersucht.

[1] Favresse J, Bayart JL, Mullier F et al.: Antibody titers decline 3-month post-vaccination with BNT162b2. Emerg Microbes Infect. 2021 Jul 7:1-8. doi: 10.1080/22221751.2021.1953403.

https://europepmc.org/article/MED/34232116