Therapieupdate: VEGF-Hemmung als neuer Therapieansatz?

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Hydroxychloroquin (HCQ) ist nicht nur beim therapeutischen Einsatz, sondern auch in der Postexpositionsprophylaxe bei COVID-19 nicht wirksam [1]. Erste positive Daten ergeben sich aus einer randomisiert-kontrollierten Studie mit Colchicin [2].  In einer offenen Pilotstudie [3] wurde der Nutzen einer einzelnen Dosis von Bevacizumab, einem Antikörper gegen VEGF („vascular endothelial growth factor“), bei COVID-19- Pneumonie untersucht.

HCQ eignet sich offenbar nicht für eine Prophylaxe nach COVID-19-Kontakt. In einer offenen Studie mit 2.314 gesunden Kontaktpersonen von 672 Indexpatienten mit COVID-19 [1] konnte die Substanz nach Exposition weder SARS-CoV-2-Infektion noch symptomatische COVID-19-Erkrankung verhindern. Patienten in den einzelnen Clustern wurden jeweils 1:1 randomisiert und erhielten entweder 800 mg HCQ an Tag 1, gefolgt von 400 mg/d über sechs Tage, oder keine spezifische Prophylaxe. Mit 19% unter HCQ und 18% ohne spezifische Therapie gab es keinen Unterschied in der Übertragungsrate; symptomatische Infektionen traten jeweils bei rund 6% auf. Unerwünschte Ereignisse waren unter HCQ mit 56% gegenüber 6% deutlich häufiger, waren aber meist mild.

In Brasilien wurde in einer ersten randomisiert-kontrollierten, doppelblinden Studie Colchicin 1:1 gegen Placebo zusätzlich zu einer Standardbehandlung bei insgesamt 72 moderat bis schwer an COVID-19 erkrankten stationären Patienten getestet [2].  In der Verumgruppe verkürzte sich die im Median benötigte Zeit für eine Sauerstofftherapie signifikant von 6,5 auf 4 Tage und die Hospitalisierungsdauer konnte ebenfalls signifikant von 9 auf 7 Tage gesenkt werden. Die Behandlung mit Colchicin – 0,5 mg dreimal täglich für fünf Tage, dann zweimal täglich für weitere fünf Tage – war sicher und wurde gut vertragen. Häufigste Nebenwirkung waren Durchfälle.

Einen möglichen neuen Therapieansatz testeten Wissenschaftler aus zwei Kliniken in China und Italien [3]. 26 COVID-19-Patienten verabreichten sie zusätzlich zu einer Standardtherapie eine einzelne Infusion mit 500 mg des VEGF-Antikörpers Bevacizumab. Alle waren schwer lungenkrank mit einer Atemfrequenz ≥30/min, einer Sauerstoffsättigung ≤93% bei Raumluft oder einem Oxygenierungsindex (PaO2/FiO2) >100 und ≤300 mmHg sowie einer diffusen Pneumonie in der Bildgebung. Am Ende des Follow-ups von 28 Tagen hatte sich der Sauerstoffbedarf bei 92% der behandelten Patienten deutlich gebessert und bei niemandem verschlechtert. Die Oxygenierung war bereits an Tag 1 und 7 deutlich besser, und auch die pulmonalen Infiltrate in der Bildgebung an Tag 7 waren rückläufig. Bei 13 von 14 Patienten mit Fieber hatte sich die Körpertemperatur nach drei Tagen normalisiert. Schwere Nebenwirkungen traten dabei nicht auf.

[1] Mitjà O, Corbacho-Monné M, Ubals M et al.: A Cluster-Randomized Trial of Hydroxychloroquine for Prevention of Covid-19. N Engl J Med. 2021; 384(5):417-427.

https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2021801

[2] Lopes MI, Bonjorno LP, Giannini MC et al.: Beneficial effects of colchicine for moderate to severe COVID-19: a randomised, double-blinded, placebo-controlled clinical trial. RMD Open.

https://rmdopen.bmj.com/content/7/1/e001455

[3] Pang J, Xu F, Aondio G et al.: Efficacy and tolerability of bevacizumab in patients with severe Covid-19. Nat Commun. 2021;12(1):814.

https://www.nature.com/articles/s41467-021-21085-8