Stellatumblockade erfolgreich bei Long-COVID eingesetzt

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In den USA haben ein Schmerzmediziner und seine Kollegin eine Blockade des Ganglion stellatum mit Erfolg zur Therapie von Long-COVID-Symptomen bei zwei Patientinnen erprobt [1]. Eine Besserung von Fatigue, Geschmacks- und Geruchsstörungen und der geistigen Fähigkeiten wurde nicht nur unmittelbar nach dem anästhetischen Eingriff beschrieben. Sie bestand auch nachhaltig fort. Autorin und Autor stellen die Theorie auf, dass Störungen des autonomen Nervensystems pathophysiologisch bei Long-COVID eine Rolle spielen.

Eine Dysautonomie, vor allem eine Hyperaktivität des sympathischen Nervensystems, wurde bereits mit Begleiterscheinungen schwerer akuter COVID-19-Erkrankungen wie auch mit Long-COVID in Verbindung gebracht. Ein Anästhesie-Team aus Anchorage in den USA hat nun bei zwei Patientinnen mit im Alltag und Berufsleben stark beeinträchtigenden Long-COVID-Symptomen geprüft, ob sich die Symptome durch eine Stellatumblockade lindern lassen [1]. Dies gelang – auch weit über die Dauer der anästhetischen Wirkung hinaus.

Die erste Patientin, eine 42-Jährige, litt acht Monate nach unkomplizierter COVID-19-Erkrankung immer noch unter ausgeprägter Fatigue, Benommenheit, Konzentrationsstörungen, erhöhtem Ruhepuls, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit aufgrund persistierender Geschmacks- und Geruchsstörungen. Letzteres hatte auch zu einem fortgesetzten Gewichtsverlust von 15 kg geführt. Unmittelbar nach einer zunächst rechtsseitigen Stellatumblockade verschwanden die ipsilaterale Anosmie und Dysgeusie, und es kam zu einer deutlichen Besserung von Aufmerksamkeit und Konzentration. Nach auch linksseitiger Blockade zwei Tage später waren Geruchsvermögen und Geschmack vollständig wiederhergestellt, und die Patientin bemerkte eine deutliche Verbesserung ihres Gedächtnisses. Der Schlaf besserte sich, und sie war wieder ohne Probleme in der Lage, ihre Lehrtätigkeit, die sie zuvor hatte aufgeben müssen, wieder in Vollzeit aufzunehmen. Die Besserung blieb nachhaltig über einen Beobachtungszeitraum von 60 Tagen.

Ähnlich war es bei einer 44-Jährigen, die sich sieben Monate nach COVID-19 mit persistierender Fatigue, Sprechstörungen und Dysgeusie, ebenfalls mit deutlichem Gewichtsverlust, sowie generalisierten Schmerzen mit Parästhesien und intermittierenden Kopfschmerzen vorstellte. Auch sie war nur noch eingeschränkt arbeitsfähig. Die sequenzielle beidseitige Stellatumblockade war auch bei ihr unmittelbar und nachhaltig erfolgreich.

Die Autorin und der Autor vermuten, dass die Besserung durch eine Rekalibrierung der Sympathikusaktivität beziehungsweise durch eine Verbesserung der Interaktion zwischen Immun- und Nervensystem zustande kommen könnte.

[1] Liu LD, Duricka DL. Stellate ganglion block reduces symptoms of Long COVID: A case series. J Neuroimmunol. 2022 Jan 15; 362: 577784. Epub 2021 Dec 8.

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0165572821003118

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