Statin-Therapie mit niedrigerer COVID-19-Mortalität assoziiert

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Statine weisen ein anti-inflammatorisches pharmakologisches Profil auf, andererseits könnten sie das Risiko für SARS-CoV-2-Infektionen bzw. einen schwereren Erkrankungsverlauf erhöhen, da sie die Expression von ACE2-Rezeptoren fördern, über die das Virus in Zellen eindringt. Eine Studie aus China (Provinz Hubei) wertete retrospektiv 13.981 COVID-19-Patienten aus 21 Kliniken hinsichtlich potenzieller Auswirkungen einer Statin-Therapie aus.

1.219 der 13.981 Patienten erhielten zum Zeitpunkt ihrer Erkrankung Statine. Stationär wurde Atorvastatin gegeben (ggf. äquivalente Umstellung). 922/1.219 Patienten nahmen zusätzlich Antihypertensiva ein: 319/922 ACE-Hemmer (ACEi) oder Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker (ARB). Die Statin-Patienten waren älter (66 vs. 57 Jahre) und wiesen mehr chronische Begleiterkrankungen auf: Hypertonie (ca. 82% vs. 30%), Diabetes mellitus (34% vs. 15%), koronare Herzkrankheit (36% vs. 6%) und zerebrovaskuläre Erkrankungen (8,8% vs. 2,3%). Die Zeitdauer vom Symptombeginn bis zur Einweisung war bei Statin-Patienten länger (14 [8-23] vs. 11 [6-20] Tage) und sie hatten häufiger pulmonale bilaterale Infiltrate (im CT 89,5% versus 83,7%; p<0,001), höhere Inflammationsmarker sowie vermehrt Organdysfunktionen (ASAT, ALST, Kreatinin). Auch das Lipidprofil war in der Statin-Gruppe zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme schlechter; im Verlauf dann aber ähnlich. Der Blutdruck von Statin-Patienten war etwas höher (Median 133/80 vs. 128/79 mm Hg; jeweils p<0,003), der BMI war in beiden Gruppen vergleichbar.

Die statistische Analyse zeigte für die Statin-Gruppe eine 28-Tages-Gesamtmortalität von 5,2% gegenüber 9,4% ohne Statine (adjustierte HR 0,58). 26% der Statin-Patienten erhielten ACEi/ARB gegenüber 6,6% der Nicht-Statin-Patienten. Die zusätzliche ACEi/ARB-Gabe (Subgruppenvergleiche) änderte das Ergebnis nicht. Die Statin- oder ACEi/ARB-Behandlung führte auch nicht vermehrt zu Nebenwirkungen/Organdysfunktionen. Statin-Patienten hatten bei der stationären Aufnahme niedrigere IL-6-Spiegel (423 vs 1.520 pg/ml) und im Verlauf einen geringeren IL-6-Anstieg (auch nach Ausschluss der in den ersten 28-Tagen verstorbenen Patienten von der Analyse).

Aufgrund der fast halbierten Gesamtmortalität konstatieren die Autoren, dass der mögliche Nutzen einer Statinbehandlung bei COVID-19-Patienten potenzielle Risiken zu überwiegen scheint. Gründe seien möglicherweise immunmodulatorische Statineffekte. Die Daten unterstützten trotz möglicher Limitierungen einer retrospektiven Analyse die Initiierung sowie Fortführung prospektiver, randomisiert-kontrollierter Studien zur Statinbehandlung als Ergänzung der COVID-19-Therapie, um künftig ein prognoseverbesserndes Behandlungsprinzip zu sichern.

Zhang XJ, Qin JJ, Cheng X et al. In-Hospital Use of Statins Is Associated with a Reduced Risk of Mortality among Individuals with COVID-19. Cell Metabolism 2020; 32: 1–12, August 4, online 24 June 2020 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1550413120303168?via%3Dihub