Stand Juli 2021: Übertragungsrisiko bei asymptomatischer Infektion auf ein Drittel reduziert

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Daten zu asymptomatischen SARS-CoV-2-Infektionen sind wichtig für die Pandemiekontrolle. Im fünften Update hat ein internationales Forschungsteam ein systematisches Review mit Metaanalyse vorgelegt, welches die Epidemiologie bis Juli 2021 berücksichtigt [1]. Während die hohe Heterogenität der Studien keine allgemeine Schätzung des Anteils asymptomatischer Infektionen erlaubte, war eine Virusübertragung durch asymptomatisch Infizierte weniger wahrscheinlich als durch gering symptomatische. Das relative Risiko, sich bei asymptomatisch Infizierten anzustecken, lag im Vergleich zu Menschen mit Symptomen bei 32%.

Die Dynamik der Pandemie bringt es mit sich, dass Forschungsdaten zur Epidemiologie sich ändern und zum Zeitpunkt der Publikation oft bereits nurmehr bedingt Geltung haben. So ist es auch in der jetzt in PLOS Medicine veröffentlichten fünften Überarbeitung eines internationalen systematischen Reviews mit Metaanalyse [1] zur vieldiskutierten Frage der Rolle asymptomatischer SARS-CoV-2-Infektionen im Pandemiegeschehen. Die zum Teil auch als Pre-Print einbezogenen 130 Studien datieren bis maximal Mitte Juli 2021. Entsprechend waren auch erste Publikationen aus der Zeit enthalten, als viele Impfkampagnen in Ländern mit hohem Einkommen begannen und die Alpha-Variante dominant wurde. Neuere Varianten mit höherer Infektiosität sind entsprechend nicht berücksichtigt, und insgesamt nimmt die Heterogenität der Studien zu. So erlaubte die Metaanalyse aufgrund sich stetig ausweitender Vorhersageintervalle – die inzwischen nahezu von 0-100% reichen, auch keine Aussagen zur Häufigkeit asymptomatischer SARS-Co-V-2-Infektionen. Die Inter-Quartilen-Spanne des Anteils selbstberichteter asymptomatischer Infektionen reichte für die 130 Studien zusammen von 14-50%. Bei 84 Studien, die definierte Bevölkerungsgruppen screenten, waren es 20-65%, und in 46 Arbeiten mit Untersuchungen zu Kontakten und Ausbrüchen waren es durchschnittlich 19%.

Während gering symptomatische Patientinnen und Patienten das Virus ebenso häufig übertrugen wie symptomatische, betrug die Risikorate bei Menschen, die trotz Infektion während der jeweiligen Nachbeobachtung niemals Symptome entwickelten, 0,32. In dreizehn mathematischen Modellstudien mit den erforderlichen Daten lagen die Übertragungsraten bei asymptomatischer Infektion mehrheitlich unter 15%, bei gering symptomatischer hingegen meist über 40%.

Bei Querschnittsstudien besteht die Gefahr, die Zahl asymptomatischer Infektionen zu überschätzen, wenn die Betroffenen erst später symptomatisch werden. Grundsätzlich ist es wahrscheinlicher, dass Menschen mit Symptomen getestet werden. Die Autorinnen und Autoren betonen die Notwendigkeit prospektiver Langzeitstudien, die Selektions- und Mess-Bias möglichst minimieren und neue Virusvarianten ebenso berücksichtigen wie Impfstatus und vorangegangene Infektionen.

[1] Buitrago-Garcia D, Ipekci AM, Heron L et al. Occurrence and transmission potential of asymptomatic and presymptomatic SARS-CoV-2 infections: Update of a living systematic review and meta-analysis. PLoS Med. 2022 May 26; 19(5): e1003987.

https://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371/journal.pmed.1003346

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