Spektrum neurologischer COVID-19-Manifestationen: Klinische, paraklinische und radiologische Befunde

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Wie bereits viele Publikationen beschrieben, kann eine SARS-CoV-2-Infektion mit unterschiedlichen neurologischen und neuropsychiatrischen Erkrankungen bzw. Manifestationen einhergehen. Eine Studiengruppe vom National Hospital, Queen Square, UK, etablierte eine wöchentliche, virtuelle, neurologisch-multidisziplinäre COVID-19-Konferenz und erhob detaillierte klinische und paraklinische Daten von 43 Patienten mit PCR-bestätigter oder nach WHO-Kriterien wahrscheinlicher Diagnose und unterteilte die Befunde in fünf große neurologische Diagnosegruppen.

29/43 Patienten hatten eine positive PCR, 8/42 waren sehr wahrscheinlich und 6/43 möglicherweise infiziert. Das Patientenalter lag zwischen 16–85 Jahren, 24/43 waren männlich. Die Variabilität der ZNS- und PNS-Symptomatik war sehr groß, der Schweregrad variierte von leicht bis kritisch.

Es zeigte sich, dass die Fälle anhand von klinischen, neuroradiologischen, neurophysiologischen und paraklinischen Befunden fünf großen Diagnosegruppen zuzuordnen waren:

(1) Enzephalopathien (n=10), einhergehend mit Delir/Psychosen ohne eindeutige MRT- oder Liquor-Auffälligkeiten. 9/10 der Patienten erholten sich allein unter einer supportiven Therapie vollständig oder teilweise.

(2) Inflammatorische ZNS-Syndrome (n=12) einschließlich Enzephalitis (2/12, para- oder postinfektiös), akuter disseminierter Enzephalomyelitis (9/12) mit Hämorrhagien (5/9), Nekrosen (1/9) und Myelitis (2/9) sowie isolierter Myelitis (1/9). 10/12 Patienten wurden mit Steroiden behandelt; drei von ihnen zusätzlich mit i. v. Immunglobulinen. Ein Patient verstarb, 10/12 Patienten erholten sich partiell, ein Patient vollständig.

(3) Ischämische Schlaganfälle (n=8), assoziiert mit prothrombotischen Zuständen; 4/8 mit Thromboembolie, von denen ein Patient verstarb.

(4) Periphere neurologische Störungen (n=8), bei 7/8 handelte es sich um ein Guillain-Barré-Syndrom (alle männlich), in einen Fall um eine Plexopathie der Arme. Die meisten seien derzeit auf dem Wege der Besserung.

(5) Sonstige zentralnervöse Störungen (n=5).

Auffällig finden die Autoren die Häufigkeit der akuten disseminierten Enzephalomyelitis, besonders die hämorrhagische Komponente – zumal diese Komplikation nicht mit der Schwere der pulmonalen Infektion assoziiert war. Sie betonen die Schwierigkeit einer frühzeitigen Diagnosestellung – das Management neurologischer COVID-19-Manifestationen sei eine Herausforderung. Es seien Studien notwendig, um weitere klinische, paraklinische und neuroradiologische Daten zu analysieren, damit die pathophysiologischen Ursachen und Zusammenhänge erforscht werden und schließlich die Therapie optimiert werden kann. Außerdem müssten ehemalige Betroffene in Studien weiter beobachtet werden, um langfristige neurologische und neuropsychologische Folgen zu ermitteln.

Paterson RW, Brown RL, Benjamin L et al. The emerging spectrum of COVID-19 neurology: clinical, radiological and laboratory findings. Brain 2020 Jul 8. https://academic.oup.com/brain/article/doi/10.1093/brain/awaa240/5868408