Späte Zweitimpfung sowie dritte Dosis steigern Impfansprechen auf ChAdOx1 nCoV-19

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Wird das Dosierungsintervall nach Erstimpfung mit dem Vektorimpfstoff ChAdOx1 nCoV-19 auf bis zu 44-45 Wochen verlängert, fällt die Immunantwort stärker aus als bei kürzerem Abstand zwischen erster und zweiter Impfung. Eine dritte Impfung 28-38 Wochen nach der zweiten Dosis verstärkt die Impfantwort weiter und vermag dabei auch vor SARS-CoV2-Varianten besser zu schützen als lediglich zwei Impfungen. Das hat eine britische Studie [1] ergeben.

Die Überprüfung von Antikörper- und teilweise auch T-Zell-Antworten aus mehreren Impfkohorten liefert damit Information [1], die in verschiedenem Kontext Bedeutung hat. Denn während in Ländern mit gutem Zugang zu COVID-19-Impfungen bereits über eine dritte Impfung nachgedacht wird, stellt sich anderenorts die Frage, was geschieht, wenn bei Impfstoffknappheit viel Zeit vergeht, bis eine erste Impfung aufgefrischt werden kann.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Oxford und Nuffield haben Freiwillige im Alter von 18-55 Jahren aus der kontrollierten Phase I/II-Studie COV001, die entweder eine einzelne oder zwei ChAdOx1 nCoV-19-Impfdosen erhalten hatten, zu einer weiteren Impfung eingeladen. Untersucht wurde die Reaktogenität und Immunogenität einer um 44-45 Wochen verzögerten Zweitimpfung, und die einer dritten Dosis 28-38 Wochen nach der zweiten Impfung. Zum Vergleich dienten weitere Teilnehmende aus COV001 sowie solche aus der Phase II/III-Studie COV002, die eine oder zwei der Impfungen erhalten hatten.

Bei 480 Teilnehmenden mit einer ersten Impfdosis konnte die Immunantwort über bis zu 44-45 Wochen nach Impfung ermittelt werden. Auch wenn die Antikörpertiter im zeitlichen Verlauf rückläufig waren, waren sie mit durchschnittlich 66 ELISA-Test-Einheiten (EU) selbst 320 Tage nach Impfung noch erhöht. 32 von ihnen erhielten eine späte Booster-Impfung 44–45 Tage nach Erstimpfung. Bei 30, bei denen Daten dazu vorlagen, waren die IgG-Antikörpertiter 28 Tage nach dem Booster mit im Median 3.738 EU höher als bei kürzerem Intervall. Erfolgte die Impfung innerhalb von acht bis zwölf Wochen – zwölf werden empfohlen –, wurden nur 923 EU erreicht.

Bei den Studienteilnehmenden, die eine dritte Vakzine-Dosis erhielten, wurden 28 Tage später mit 3.746 EU höhere mediane IgG-Spiegel erreicht als nach der zweiten Dosis. 28 Tage danach hatten die IgG-Spiegel nur 1.792 EU betragen. Der Booster-Effekt betraf auch die T-Zell-Antwort. Diese stieg nach der dritten Impfung von unmittelbar zuvor 200 Spot Forming Units (SFU) pro Million mononukleärer Zellen im peripheren Blut auf 399.

28 Tage nach Drittimpfung wurden höhere Titer neutralisierender Antikörper gegen die Alpha-, Beta- und Delta-Varianten von SARS-CoV-2 induziert als nach der zweiten Impfung. Die Verträglichkeit war gut. Impfreaktionen nach einer verspäteten zweiten sowie nach einer dritten Dosis fielen jeweils schwächer aus als nach der initialen Impfung.

[1] Flaxman A, Marchevsky NG, Jenkin D et al.: Reactogenicity and immunogenicity after a late second dose or a third dose of ChAdOx1 nCoV-19 in the UK: a substudy of two randomised controlled trials (COV001 and COV002). Lancet. 2021 Sep 1:S0140-6736(21)01699-8.

https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(21)01699-8/fulltext

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