Small-Fiber-Neuropathie bei Long-COVID

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Eine Studie [1] evaluierte Daten von Long-COVID-Betroffenen, die zur neurologischen Diagnostik wegen Verdacht auf eine Neuropathie vorgestellt wurden. Am häufigsten fand sich eine Small-Fiber-Neuropathie, die häufig mit deutlicher Beeinträchtigung einherging und bereits wenige Wochen nach der COVID-19-Symptomatik begonnen hatte. Die meisten Fälle wurden immunmodulatorisch behandelt; bei 52% kam es im Verlauf zur Besserung.

Während sich die meisten COVID-19-Erkrankten schnell erholen, klagt ein Teil über verschiedene Long-COVID-Beschwerden wie Fatigue, verminderte bis fehlende Belastbarkeit im Alltag sowie sensible und autonomen Funktionsstörungen. Es gibt auch indirekte Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Long-COVID und einer erhöhten Inzidenz einer sensorisch-autonomen bzw. Small-Fiber-Neuropathie. In einer aktuellen Studie [1] erfolgten Querschnitt- und Longitudinal-Datenanalysen von Long-COVID-Betroffenen (definiert nach WHO), die zur neurologischen bzw. Polyneuropathie-Diagnostik überwiesen wurden, zuvor jedoch keine Neuropathie oder entsprechende Risikofaktoren aufwiesen. Symptome, Untersuchungsbefunde, neurologische Tests und das Outcome wurden standardisiert ausgewertet. Die Nachbeobachtung erfolgte über durchschnittlich 1,4 Jahre.

Von 17 Patientinnen und Patienten (mittleres Alter 43,3 Jahre, 69% weiblich) wiesen 59% mindestens einen Befund auf, der eine Neuropathie bestätigte; darunter waren positive Befunde bei Hautbiopsien (10/16), neurophysiologischer Diagnostik (2/12) und autonomen Funktionstests (4/8). Nur in einem Fall lag eine Critical-Illness-Polyneuropathie und in einem weiteren eine multifokale demyelinisierende Neuropathie vor. Mehr als zehn Betroffene erhielten die Diagnose einer Small-Fiber-Neuropathie, die sich innerhalb eines Monats nach dem COVID-19-Beginn entwickelt hatte. Entsprechend dem aktuell vermuteten Pathomechanismus, einer infektionsgetriggerten Immundysregulation, wurden 65% der Betroffenen (11/17) mit einer Immuntherapie behandelt (Kortikosteroide, i.v. Immunglobuline). Bei etwas über der Hälfte kam es im Verlauf zur Besserung der Symptome, jedoch in keinem Fall zur vollständigen Erholung.

[1] Oaklander AL, Mills AJ, Kelley M et al. Peripheral Neuropathy Evaluations of Patients With Prolonged Long COVID. Neurol Neuroimmunol Neuroinflamm 2022 Mar 1; 9 (3): e1146

https://nn.neurology.org/content/9/3/e1146

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