Sinusvenenthrombosen: Auch eine seltene COVID-19-Komplikation

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Bei COVID-19-Patienten mit anders nicht zu erklärenden neurologischen Symptomen ist auch an die Möglichkeit einer cerebralen Sinusvenenthrombose (CSVT) zu denken. Denn CSVT, wie sie zuletzt vereinzelt nach SARS-CoV-2-Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff beobachtet wurden, können selten auch im Rahmen der COVID-19-Erkrankung auftreten, auch bei milden oder moderaten Verläufen. Wissenschaftler aus dem Iran sowie aus den USA haben jeweils eigene Fälle aus mehreren Zentren zusammengetragen und zugleich Fallberichte und Fallserien aus der Literatur ausgewertet.

Die iranische Gruppe hatte zwischen Juni und Juli 2020 an drei Lehrkrankenhäusern sechs Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion und gesicherter CSVT behandelt [1]. Die Betroffenen waren 31 bis 62 Jahre alt. Vier hatten keine Atemwegssymptome, bei drei Patienten bestanden Risikofaktoren für eine CSVT. Trotz Behandlung starben vier Patienten.

Verglichen mit CSVT-Patienten ohne COVID-19 aus früheren Studien, die im Durchschnitt 38 Jahre alt waren, waren die eigenen und die 28 Patienten mit SARS-CoV-2-assoziierter CSVT, deren Daten die Autoren bei ihrer Literarturrecherche zusammentrugen, mit durchschnittlich 49 Jahren älter. Es handelte sich seltener um Frauen und sie hatten mit 35 % gegenüber 6 % eine deutlich höhere Mortalität.

In die US-Studie [2] wurden acht eigene Patienten eingeschlossen, bei denen zwischen März und November 2020 an sieben von 31 teilnehmenden Zentren eine CSVT im Zusammenhang mit einer COVID-19-Infektion diagnostiziert wurden. Die Patienten waren mit 88 % überwiegend weiblich. Die meisten hatten unspezifische Symptome: Jeweils die Hälfte hatten Kopfschmerzen und Fieber, 75 % hatten gastrointestinale Symptome. Nur jeweils zwei (25 %) hatten eine Bewusstseinsminderung oder fokale Defizite. Die spezifischen neurologischen Symptome traten im Median drei Tage nach COVID-19-Diagnose auf. Bis zur radiologischen CSVT-Diagnose vergingen vom Beginn der ersten COVID-19-Symptome im Median elf Tage. Am häufigsten – bei 75 % der Patienten – waren der Sinus sagittalis superior und der Sinus transversus betroffen. Im Labor waren neben den Entzündungswerten die D-Dimere deutlich erhöht. Nur ein Patient der eigenen Fallserie starb. Bei 35 Fällen aus der Literaturrecherche waren es neun und damit 26 %.

Auch wenn die Symptome der eigenen Patienten eher unspezifisch waren, weisen die Autoren ausdrücklich darauf hin, dass bei Krampfanfällen, intrakranieller Druckerhöhung, Bewusstseinsstörungen und Schlaganfallsymptomen wie Taubheitsgefühl oder Paresen der Extremitäten an eine CSVT gedacht werden muss.

[1] Ostovan VR, Foroughi R, Rostami M et al.: Cerebral venous sinus thrombosis associated with COVID-19: a case series and literature review. J Neurol. 2021; 22:1–12.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33616740/

[2] Abdalkader M, Shaikh SP, Siegler JE et al.: Cerebral Venous Sinus Thrombosis in COVID-19 Patients: A Multicenter Study and Review of Literature. J Stroke Cerebrovasc Dis. 2021 4;30(6):105733.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33743411