Sinus- und Hirnvenenthrombosen auch nach Impfung mit anderen Adenovirus-Vektor-Impfstoffen als ChAdOx1

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Nach vorangegangenen Berichten aus Europa über cerebrale Hirn- und Sinusvenenthrombosen (CVT) mit Thrombozytopenie nach SARS-CoV-2-Impfung mit ChAdOx1 nCoV-19, der Vakzine von AstraZeneca, haben US-Wissenschaftler vergleichbare Fälle aus den USA nach Verwendung des dort seit Ende Februar mit einer Notfallzulassung verfügbaren Johnson & Johnson/Janssen-Impfstoffs Ad26.COV2.S ausgewertet [1] – mit ähnlichen Ergebnissen.

CVT sind seltene, schwerwiegende Nebenwirkungen einer COVID-19-Impfung, und sie treten auch nach Impfung mit Ad26.COV2.2 auf. Dabei wird ein anderer Adenovirus-Vektor als bei ChAdOx1 nCoV-19 verwendet. Gerade wurden Daten der ersten zwölf US-Fälle ausgewertet [1], die dem Register VAERS („Vaccine Adverse Event Reporting System“) zwischen dem 2. März und 21. April 2021 gemeldet worden waren. Es handelte sich ausschließlich um weiße Frauen, alle zwischen 18 bis unter 60 Jahren. Sieben Frauen hatten zusätzlich zur CVT Hirnblutungen, acht hatten auch andernorts Thrombosen. Die Symptome begannen 6-15 Tage nach der Impfung. Bei sieben Patientinnen ließ sich mindestens ein Risikofaktor für eine CVT nachweisen. So waren sechs adipös, eine hatte eine Schilddrüsenunterfunktion und eine nahm orale Kontrazeptiva. Drei Patientinnen starben, fünf waren am Ende des Beobachtungszeitraums noch in stationärer Behandlung, drei davon auf der Intensivstation. Vier waren entlassen worden.

Da im Vorfeld bereits nach Impfung mit ChAdOx1 nCoV-19 Ähnlichkeiten der Erkrankung mit einer Heparin-induzierten Thrombopenie (HIT) beschrieben worden waren, warfen die Forscher auch jetzt einen Blick auf die Thrombozytenzahlen. Deren Nadir lag zwischen 9 und 127/nl. Bei elf der Betroffenen – die zwölfte Patientin war nicht daraufhin untersucht worden – fanden sich Antikörper gegen Plättchenfaktor (PF) 4. Keine der Patientinnen hatten bis zum Zeitpunkt des Labortests Heparin erhalten. Sechs wurden aber nach CVT-Diagnose initial damit behandelt.

Im Editorial zu dieser Studie [2] wird die Inzidenz der CVT mit Thrombopenie kurz nach Impfung, die in der Studie mit etwa fünf pro Million geimpfter Frauen zwischen 18 und 50 Jahren deutlich höher liegt als die anhand der geschätzten jährlichen US-Gesamt-Inzidenz von 0,7-1,6/Million ermittelten Hintergrundrate von 0,05-0,13/Million/Monat, als Hinweis auf einen kausalen Zusammenhang gewertet. Die Kommentatoren sprechen sich dafür aus, unter anderem das offenbar zugrundeliegende Thrombozytopeniesyndrom auch auf etwaige subklinische Fälle genauer zu untersuchen, um geeignete Diagnose-Algorithmen zu entwickeln. Problematisch in diesem Zusammenhang ist, dass in der aktuellen Studie bei elf der zwölf Patientinnen Kopfschmerzen das Initialsymptom waren. Und die sind nun einmal eine häufige, benigne Impfreaktion kurz nach Vakzinierung.

[1] See I, Su JR, Lale A et al.: US Case Reports of Cerebral Venous Sinus Thrombosis With Thrombocytopenia After Ad26.COV2.S Vaccination, March 2 to April 21, 2021. JAMA. 2021 Apr 30.

https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2779731

[2] Karron RA, Key NS, Sharfstein JM: Assessing a Rare and Serious Adverse Event Following Administration of the Ad26.COV2.S Vaccine. JAMA. 2021 Apr 30.

https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2779732

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