Schwindelsymptomatik bei COVID-19

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Schwindel wird als häufiges klinisches COVID-19-Symptom beschrieben, wie auch bei anderen viralen Infektionen. Neben einer unspezifischen Benommenheit im Rahmen der Infektion müssen entzündliche Ursachen bis hin zu kleinen Schlaganfällen (im Rahmen der Hyperkoagulabilität oder immunvermittelt) bedacht werden. Ein Literaturreview analysierte Publikationen zur Assoziation von Schwindel und COVID-19.

In einer gepoolten Übersicht von 14 Studien wird die Assoziation von COVID-19 und Schwindelsymptomen dargestellt [1]. 11/14 Studien stammen aus China, 3/14 stellen Fallberichte dar; insgesamt wurden 141 Patienten beschrieben. Bei allen war die Schwindelsymptomatik das führende Symptom. Allerdings war nur bei 3/141 (2,13%) Patienten Schwindel das initiale Symptom, bei zwei dieser drei Patienten folgten im Verlauf respiratorische Symptome. In 2/14 Arbeiten wurde die Schwindelsymptomatik spezifisch abgeklärt und behandelt (die anderen Arbeiten hatten dies nicht zum Hauptthema). Zur Therapie wurden Betahistin, Benzodiazepine, Steroide sowie Physiotherapie eingesetzt. Zum Outcome der Schwindelproblematik berichtet nur eine Studie, hier heben die Autoren besonders den Erfolg einer vestibulären Rehabilitationstherapie hervor.

Die Autoren betonen, dass Schwindel bei COVID-19-Patienten ein häufiges Symptom zu sein scheint, jedoch kein spezifisches COVID-19-Symptom ist. Stets seien Ursachen wie akute Labyrinthitis, Neuritis vestibularis, Otitis media oder Schlaganfall auszuschließen. Es sollte auch nach weiteren audiovestibulären Symptomen gesucht werden (z. B. Hörminderung). Eine Schwindelsymptomatik, die nach der akuten COVID-19-Phase bestehen bleibt, müsse weiter abgeklärt und behandelt werden.

Hals-Nasen-Ohrenärzte aus New York berichten von einer 18-jährigen Patientin mit beidseitigem plötzlichen sensorineuralen Hörverlust und Labyrinthblutungen im Rahmen einer nachträglich durch Antikörpertest nachgewiesenen SARS-CoV-2-Infektion [2]. Bei Erstvorstellung in der Klinik bestand der beidseitige sensorineurale Hörverlust („sensorineural hearing loss“, SNHL) bereits seit sieben Wochen. Begleitet war er von einem intermittierenden Druckgefühl auf den Ohren, Vertigo mit Übelkeit und Erbrechen und schließlich auch von einem neu aufgetretenen Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns. Andere neurologische Symptome hatte die junge Frau nicht. Auch die übrige Anamnese war unauffällig. Beim Vater waren allerdings Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachweisbar. Die Patientin erhielt zwei Behandlungszyklen mit initial hochdosiertem oralen Prednisolon und schließlich auch eine intratympanale Glukokortikoidinjektion. Bei der Audiometrie im Intervall zeigte sich auf der rechten Seite eine Besserung mit fluktuierendem SNHL, links aber ein Progress mit schwerem gemischten Hörverlust. Die vestibulären Symptome waren nahezu abgeklungen. Im MRT mit 3D-FLAIR-Sequenz etwa acht Wochen nach Symptombeginn fand sich eine linksbetonte, beidseitige Blutung im Labyrinth. Bei negativer SARS-CoV-2-PCR wurden IgG-Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen. Initial war die Patientin nicht auf das Virus getestet worden. Retrospektiv gehen die Autoren von einer aktiven COVID-19-Erkrankung zum Zeitpunkt des Symptombeginns aus. Den Schwindel, der gut auf die Glukokortikoidtherapie angesprochen hat, werten sie als Ausdruck einer virusinduzierten Labyrinthitis. Die Hämorrhagien führen sie analog zu ebenfalls bei COVID-19 beobachteten pulmonalen und zerebralen Mikroblutungen auf eine COVID-19-assoziierte Gerinnungsstörung zurück.

[1] Saniasiaya J, Kulasegarah J. Dizziness and COVID-19. Ear Nose Throat J. 2021 Jan; 100 (1): 29-30.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7492824

[2] Chern A, Famuyide AO, Moonis G, Lalwani AK: Bilateral Sudden Sensorineural Hearing Loss and Intralabyrinthine Hemorrhage in a Patient With COVID-19. Otol Neurotol. 2021;42(1):e10-e14.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33301283/

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