Schlaganfallversorgung in Deutschland während der frühen Phase der COVID-19-Pandemie

In einer großen Online-Erhebung wurden systematisch die Auswirkungen der SARS-CoV-2-Pandemie auf die Schlaganfallversorgung in Deutschland untersucht, um einen repräsentativen Überblick über die Situation zu erhalten. Die Befragung wurde von der Stroke-Unit-Kommission der DSG (Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft) durchgeführt und erfasste strukturelle und prozessuale Parameter der Schlaganfallversorgung.

Für die anonymisierte Online-Umfrage wurden 334 Leiter zertifizierter Stroke Units (SU) zweimal per Email angeschrieben (Juni und Juli). Es gab 22 Fragen mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten, z. T. war eine Freitexteingabe möglich. Die Fragen beinhalteten allgemeine und lokale Angaben (z. B. Zertifizierungsstatus, reguläre und aktuelle Anzahl an Überwachungsbetten, Fallzahlen, Veränderungen bei Prozessen in der Notaufnahme und auf der SU).

Es gab 166 Rückmeldungen (50%). 95% der SU befanden sich in einer neurologischen Abteilung, die mediane Bettenzahl der 166 SU lag bei acht, was den aus Zertifizierungen bekannten Daten entspricht. Die Gesamtbettenzahl der 166 Kliniken betrug im Median 500 (Q1 344 und Q3 680 Betten). In fast allen (98%) der 166 Kliniken wurden COVID-19-Patienten behandelt; davon in 26% auch auf der SU (40 Kliniken). Insgesamt war während der Pandemie auf den SU nur eine geringe Bettenreduktion erfolgt, im Mittel von 8,7 auf 7,7 Betten. Mehrheitlich (n= 106; knapp 70%) war keine Reduktion erfolgt — in ca. 30% jedoch um durchschnittlich drei Betten (von 8,7 auf 5,7; Spannbreite 1-8).

Über 50% der 166 SU-Betreiber bejahten, dass die Schlaganfallversorgung in der Notaufnahme beeinträchtigt war (verzögerte initiale Triage bei Ankunft der Patienten). 45,5% gaben an, dass auch auf der SU die Versorgung der Schlaganfallpatienten gelitten habe (z.B. Personalmangel sowie durch Hygienevorschriften erschwerte Diagnostik und Therapie oder verlängerte Wartezeiten). Die Verlegung von Schlaganfallpatienten hielten 75,8% der Befragten für problematisch. 43,3% der 166 SU-Betreiber gaben an, dass im März/April weniger i.v.-Thrombolysen sowie Thrombektomien durchgeführt wurden.

Insgesamt war auf 93% der SUs im März/April 2020 die Zahl der Schlaganfallpatienten geringer als im Vorjahr (Fallzahlrückgang auf 30% der SUs sogar >30%; in 45% Rückgang um 10-30%; in 21,7% um <10%). Im Mai hatten sich die Zahlen auf ca. 60% der SUs wieder normalisiert; die meisten SU-Betreiber gingen aber von einer schnellen weiteren Normalisierung aus. Ca. 16% vermuteten, dass sich Zahlen erst 2021 wieder auf dem Niveau von 2019 befinden werden.

Neumann-Haefelin T, Faiss J, Glahn J et al. Schlaganfallversorgung in Deutschland während der frühen Phase der COVID-19-Pandemie. Ergebnisse einer Erhebung der Stroke-Unit-Kommission der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft. DGNeurologie 2020 https://doi.org/10.1007/s42451-020-00253-y