Schlaganfallrisiko im Kindesalter bei SARS-CoV-2-Infektion

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In einer internationalen Studie [1] wurden im Zeitraum von Juni bis Dezember 2020 Daten zu akuten ischämischen Schlaganfällen (AIS) und SARS-CoV-2-Infektion bei Kindern zusammengetragen. Bei drei Kindern lag eine Vaskulitis, in drei Fällen eine fokale zerebrale Arteriopathie vor. Bei dreizehn Kindern wurde SARS-CoV-2 zumindest als ein zur AIS beitragender Faktor erachtet.

Wie oft sind zerebrale Ischämien bei Kindern mit SARS-CoV-2-Infektionen assoziiert und hat sich dieses Verhältnis im Verlauf der Pandemie verändert? Diesen Fragen ging eine Erhebung an 61 pädiatrischen Zentren aus 21 Ländern über den Zeitraum von Juni bis Dezember 2020 nach [1]. Alle Kliniken lieferten Daten zu AIS, rund 79% zusätzlich zu Hospitalisierungen mit Nachweis einer SARS-CoV-2-Infektion.

Von über 7.000 in dieser Zeit mit SARS-CoV-2 hospitalisierten Kindern erlitten 23 (0,32%) einen AIS. Im Vergleichszeitraum März bis Mai 2020 waren es 0,62% von 971. Der Unterschied war nicht signifikant. 90% der 373 Kinder mit AIS wurden von Juni bis Dezember 2020 auf das Virus getestet, zuvor waren es nur 60% von 166 gewesen. Mit 6,9% und 6,1% positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Kindern mit AIS ergab sich dabei kein signifikanter Unterschied.

Unter 22 von 23 Betroffenen mit AIS und SARS-CoV-2-Infektion, zu denen in der aktuellen Studie zusätzliche Daten gesammelt werden konnten, identifizierten drei um ihre Einschätzung gebetene Spezialistinnen und Spezialisten aus Neurologie und Neuroradiologie den Virusinfekt bei sechs Kindern als Hauptursache. Drei Betroffene hatten eine Vaskulitis, drei eine fokale zerebrale Arteriopathie. Bei dreizehn Kindern wurde SARS-CoV-2 zumindest als ein zur AIS beitragender Faktor erachtet, bei dreien handelte es sich um eine zufällige Koinzidenz.

Tatsächlich hatten viele AIS-Betroffene in der Studie zusätzliche Risikofaktoren. Zuverlässige Aussagen zu den Mechanismen, wie das Virus beigetragen haben könnte, erlaubt die Studie nicht. Infrage kommen in erster Linie Zytokin-Effekte, entzündlich induzierte Thrombosen und Endothelitis. 77% der 22 Kinder mit AIS und Virusnachweis hatten erhöhte Entzündungswerte im Blut. Von den sechs Kindern, bei denen der Virusinfekt als AIS-Hauptursache angesehen wurde, waren im vorangegangenen Monat vier symptomatisch an COVID-19 erkrankt und zwei hatten ein MIS-C (multisystem inflammatory-syndrome in children) durchgemacht. Offenbar können aber auch asymptomatische SARS-CoV-2-Infektionen zu AIS beitragen. Zehn von den dreizehn Kindern, bei denen SARS-CoV-2 als Co-Faktor erachtet wurde, waren nämlich symptomfrei geblieben.

Wenngleich die Rate SARS-CoV-2-positiver Kinder mit AIS in der Studie insgesamt niedrig war, sehen die Autorinnen und Autoren das Virus angesichts der allgemein niedrigen AIS-Inzidenz bei Kindern – 1-2 pro 100.000 pro Jahr – als potenziell wichtigen AIS-Risikofaktor an.

[1] Beslow LA, Agner SC, Santoro JD et al. International Prevalence and Mechanisms of SARS-CoV-2 in Childhood Arterial Ischemic Stroke During the COVID-19 Pandemic. Stroke. 2022.

https://www.ahajournals.org/doi/abs/10.1161/STROKEAHA.121.038250?url_ver=Z39.88-2003&rfr_id=ori:rid:crossref.org&rfr_dat=cr_pub%20%200pubmed

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