SARS-CoV-2-Mutationen: Antikörper-Resistenzen und erhöhte Sterblichkeit

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Eine aktuelle Publikation in „Nature" berichtet über Antikörper-Resistenzen von SARS-CoV-2-Varianten. Sorge bereitet den Studienautoren dabei besonders die E484K-Mutation der südafrikanischen Variante, die unter anderem auch bei der brasilianischen Variante vorliegt. Insgesamt zeichne sich der Beginn eines Antigendrifts ab und somit die Notwendigkeit, Therapie und Prävention ständig anzupassen (wie bei Influenza). Eine weitere Studie zeigt eine signifikante Erhöhung der Sterblichkeit durch die britische Virusvariante.

Verschiedene Therapieoptionen mit monoklonalen Antikörpern (mAb) gegen SARS-CoV-2 wurden weltweit notfallmäßig zugelassen und machen, wie auch die Impfstoffe, Hoffnung im Kampf gegen COVID-19. Für Verunsicherung sorgen aber Mutationen im Bereich des Spike-Proteins – besonders die britische (B.1.1.7) und die südafrikanische (B.1.351) Variante.

In dieser Studie zeigte sich B.1.1.7 neutralisationsresistent gegenüber den meisten NTD-mAbs (die gegen die N-terminale Domäne/NTD der Spikes gerichtet sind). RBD-mAbs (gegen die Rezeptorbindungsdomäne) jedoch sind gegen B.1.1.7 noch relativ wirksam, d. h. Rekonvaleszentenplasma und Serum von Geimpften zeigte keine signifikante Änderung der Neutralisationsaktivität (konsistent mit anderen Studien). Die Studienergebnisse zu B.1.351 bezeichnen die Autoren als deutlich besorgniserregender, da hier nicht nur Resistenzen gegenüber den NTD-mAbs vorliegen, sondern auch gegen einige RBD-mAbs (im Wesentlichen infolge einer E484K-Mutation). Außerdem war B.1.351 neutralisationsresistenter gegenüber Rekonvaleszentenplasma (Faktor 9,4) und Serum von Geimpften (Faktor 10,3-12,4; der Wert liege höher als in bisherigen Studien).

B.1.351 und ähnliche Varianten (wie die Brasilianische Mutation P.1) gefährden die mAb-Therapie und die aktuelle Impfstrategie, die vor allem auf die NTD der Spikes abzielen, so die Forscher. Re-Infektionen mit Virusvarianten seien außerdem zu erwarten (in Brasilien wurde in der zu 76% seropositiven Bevölkerung von Manaus durch P.1 eine zweite Pandemie-Welle ausgelöst). Von höchster Bedeutung seien daher ein intensives weltweites Monitoring des Virusgenoms, die proaktive Anpassung entsprechender Epitope der mAbs sowie der Impfstoffe und selbstverständlich weiterhin alle Maßnahmen zur Eindämmung der Virusübertragung.

Eine vor acht Tagen in BMJ publizierte Kohortenstudie [2] kam ebenfalls zu besorgniserregenden Ergebnissen. Im Vergleich zu den herkömmlichen Varianten war die COVID-19-Sterblichkeit bei Menschen, die sich mit der britischen Virusvariante infiziert hatten, signifikant, und zwar um 64%, erhöht (HR 1,64). Das bedeute eine Erhöhung von 2,5 auf 4,1 Todesfälle pro 1.000 Infektionsfälle.

Ganz aktuell gaben am Mittwoch die französischen Gesundheitsbehörden bekannt [3], dass sich die SARS-COV-2-Variante, die sich in der Bretagne verbreitet hat, nicht sicher mit den Standard-PCR-Tests nachweisen lässt und sich somit „unter dem Radar“ verbreiten könne. Die gute Nachricht: Sie sei zumindest nicht ansteckender oder gefährlicher als die ursprüngliche Virusvariante.

[1] Wang P, Nair MS, Liu L et al. Antibody Resistance of SARS-CoV-2 Variants B.1.351 and B.1.1.7. Nature 2021 Mar 8. 

https://www.nature.com/articles/s41586-021-03398-2

[2] Challen R, Brooks-Pollock E, Read JM et al. Risk of mortality in patients infected with SARS-CoV-2 variant of concern 202012/1: matched cohort study. BMJ 2021;372: n579. Published: 10 March 2021.

https://www.bmj.com/content/372/bmj.n579

[3] https://www.politico.eu/article/new-french-coronavirus-variant-might-bypass-pcr-tests

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