SARS-CoV-2-Infektion nach vollständiger Impfung

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Zwei neue Publikationen aus den USA berichtenvon (sehr seltenen) Impfdurchbrüchen nach zweimaliger bzw. vollständiger Impfung gegen SARS-CoV-2; sowohl in Pflegeheimen als auch unter gesunden Universitäts-Mitarbeitern. Schwere Verläufe und Todesfälle wurden bis auf zwei bzw. einen Fall verhindert, zu sekundären Übertragungen kam es in den betroffenen Populationen nicht. Zum Teil wurden Virusvarianten nachgewiesen.

Eine Studie aus New York [1] untersuchte, welche Rolle Virusvarianten bei Impfdurchbrüchen spielen. Von 417 mit mRNA-Impfstoff vollständig immunisierten Mitarbeitern der Rockefeller University, erkrankten zwei gesunde Frauen 19 und 36 Tage nach der zweiten Impfung an COVID-19. Beide (51 und 65 Jahre alt) hatten einen leichten Infekt über ungefähr eine Woche (mit Hals- und Kopfschmerzen, Anosmie/Ageusie, Abgeschlagenheit und Sinusitis), RT-PCR und Antikörper waren positiv. Bei beiden Frauen ergab die Virus-Sequenzierung etliche Aminosäureaustausche, dabei bestanden Ähnlichkeiten mit den Varianten B.1.1.7 und B.1.526, aber auch deutliche Unterschiede. Drei Austausche waren beiden Fällen gemeinsam.

Eine zweite Arbeit berichtet über Impfdurchbrüche in 78 Pflegeheimen in Chicago [2]. Von 627 vollständig geimpften Bewohnern und Mitarbeitern wurden seit Impfbeginn Ende 2020 bis Februar 2021 in 22 Fällen eine SARS-CoV-2-Infektion nachgewiesen (12 Bewohner, 10 Mitarbeiter aus insgesamt 15 Pflegeheimen). 14/22 (64%) der PCR-positiven Personen waren asymptomatisch, die anderen hatten milde bis moderate Symptome; zwei mussten stationär behandelt werden, ein Patient verstarb. In den betroffenen Heimen wurden keine sekundären Übertragungen nachgewiesen.

Die Autoren konstatieren, dass bekanntermaßen kein 100%iger Schutz vor einer symptomatischen SARS-CoV-2-Infektion nach vollständiger Impfung gegeben ist, jedoch in den meisten Fällen von Impfdurchbrüchen schwere Verläufe verhindert werden. Auch bzw. gerade vor dem Hintergrund, dass ältere Menschen ab 65 Jahren nach überstandener SARS-CoV-2-Infektion nur einen Antikörper-Schutz zwischen 40 bis 47% entwickeln (wir berichteten), zeigen diese Publikationen die Bedeutung möglichst lückenloser Impfungen besonders gefährdeter Populationen (einschließlich des Personals) sowie die Wichtigkeit fortgeführter Prävention (Schutz und Hygiene) und Screeningtests. Ob SARS-CoV-2-positive geimpfte Personen das Virus übertragen können, müsse in weiteren Studien geklärt werden. Das Monitoring helfe offensichtlich auch, Mutationen zu identifizieren und künftig zu klären, ob in diesen Fällen besonders häufig Virusvarianten vorliegen.

[1] Hacisuleyman E, Hale C, Saito Y et al. Vaccine Breakthrough Infections with SARS-CoV-2 Variants. N Engl J Med. 2021 Apr 21. doi: 10.1056/NEJMoa2105000. Online ahead of print. PMID: 33882219

https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2105000

[2] Teran RA, Walblay KA, Shane EL et al. Postvaccination SARS-CoV-2 Infections Among Skilled Nursing Facility Residents and Staff Members - Chicago, Illinois, December 2020-March 2021. MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2021 Apr 30;70(17):632-638. doi: 10.15585/mmwr.mm7017e1.

https://www.cdc.gov/mmwr/volumes/70/wr/mm7017e1.htm

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