SARS-CoV-2-Infektion geht häufiger mit ischämischen Schlaganfällen einher als Influenza

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Über das Auftreten ischämischer Schlaganfälle bei COVID-19-Patienten wird immer wieder berichtet. Auch im Rahmen anderer viraler respiratorischer Infektionen wie Influenza A/B kann es zu Schlaganfällen kommen, wahrscheinlich aber deutlich seltener. Eine große retrospektive Kohortenstudie aus New York verglich COVID-19- und Influenza-Patienten aus Notfallambulanzen bzw. mit stationärer Behandlung hinsichtlich des Auftretens von ischämischen Schlaganfällen.Die Zahl der Publikationen zu neurologischen Manifestationen und Spätfolgen bei COVID-19 ist groß, allerdings handle es sich in erster Linie um Fallberichte, die, so beklagen die Autoren des vorliegenden Reviews, oft im Detail unzureichend seien. Das mache die Einschätzung der tatsächlichen Prävalenz einer neurologischen Beteiligung schwierig.

31 von 1.916 COVID-19-Patienten (1,6 %) erlitten einen akuten ischämischen Schlaganfall in Folge der Virusinfektion (58 % Männer), ihr mittleres Alter lag bei 69 Jahren (Interquartilabstand: 66-78). Der Schlaganfall war bei 26 % (8/31) der Hauptgrund der medizinischen Vorstellung. Die Vergleichskohorte umfasste 1.486 Patienten mit serologisch bestätigter Influenza, von denen nur drei (0,2 %) einen akuten ischämischen Schlaganfall erlitten hatten. Die Patienten mit Influenza waren jünger, unter ihnen war der Anteil der Frauen höher und die Patienten hatten weniger Begleiterkrankungen (wie Hypertonie, Diabetes mellitus, Vorhofflimmern, Koronar- oder Nierenerkrankungen) – allerdings häufiger eine Hyperlipidämie. Sie wurden seltener intensiv- bzw. beatmungspflichtig. Nach statistischer Adjustierung (z.B. Alter, Geschlecht, Abstammung) war das Risiko, COVID-19-assoziiert einen Schlaganfall zu erleiden, 7,5-mal höher (OR 7,6) als bei einer Influenza.

Die Autoren führen zahlreiche Gründe für eine höhere Prävalenz ischämischer Schlaganfälle bei COVID-19-Patienten an: Die COVID-19 Infektion löse starke Immunantworten aus, oft begleitet von einer erhöhten Koagulation und D-Dimeren, weshalb es häufiger zu thromboembolischen Ereignissen komme. Die Patienten haben insgesamt ein erhöhtes Komplikationsrisiko, erleiden Arrhythmien, Myokardinfarkte, Myokarditiden und venöse Thrombosen, was zu einem erhöhten Schlaganfallrisiko beiträgt, ebenso wie die schweren respiratorischen Syndrome, die bei COVID-19 häufiger auftreten als bei der Influenza. Hinzu komme, dass die Patienten oft Schlaganfallrisikofaktoren aufwiesen, allerdings wurde in der Auswertung nach patientenseitig vorbestehenden Risikofaktoren adjustiert.

Die Autoren diskutieren ihre Ergebnisse im Kontext der bisherigen Daten, nach denen in Studienkohorten Schlaganfallraten bei COVID-19 von 0,9 % bis 23 % beschrieben werden. Sie halten fest, dass Ärzte in der aktuellen Pandemie immer sehr aufmerksam auf neurologische Symptome bei den Patienten achten sollen

Merkler AE, Parikh NS, Mir S et al. Risk of Ischemic Stroke in Patients with Covid-19 versus Patients with Influenza. JAMA Neurol 2020. Published online July 2
https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/fullarticle/2768098