SARS-CoV-2-assoziierte Optikusneuritis bei Patientin ohne Atemwegssymptome

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Verschiedene neuroophthalmologische Symptome bei COVID-19 werden beschrieben. In Abwesenheit respiratorischer Symptome wurde bei einer 55-jährigen Patientin in Mexiko eine SARS-CoV-2-assoziierte Optikusneuritis (ON) beobachtet [1].

Als die Patientin sich in ihrer Klinik in Mexiko-Stadt vorstellte [1], hatte sie seit zwölf Tagen durchgehend Kopfschmerzen und linksseitige Augenschmerzen, die bei Blickbewegungen exazerbierten und nicht auf NSAR ansprachen. Sie berichtete über eine linksseitige Abnahme der Sehschärfe und Farbsehstörungen. Vorerkrankungen, eine relevante Familienanamnese oder Allgemeinsymptome wurden verneint. Bei auffällig niedriger Sauerstoffsättigung von 88% erfolgte ein Nasopharyngelabstrich mit positiver PCR auf SARS-CoV-2. Trotz fehlender Atemwegssymptome ergab das CT den Befund beidseitiger Milchglastrübungen, passend zu einer Viruspneumonie.

Die augenärztliche Untersuchung führte zur Diagnose einer ON: Sie deckte eine deutliche linksseitige Visusminderung mit einer Sehschärfe von 0,1, einem relativen afferenten Pupillendefekt und zentrotemporalen Skotomen auf. Die Papille und der Befund der optischen Kohärenztomographie (OTC) waren zunächst normal, verschlechterten sich allerdings im Verlauf trotz Methylprednisolon-Gabe von täglich 1g über drei Tage. Bei Nachuntersuchung nach drei Monaten hatten zwar die Schmerzen nachgelassen, der Visus hatte sich jedoch nicht erholt, und es verblieb eine Optikusatrophie.

Bei unauffälligem zerebralen MRT fand sich im Orbita-MRT nach einem Monat ein leicht verdickter Nervus opticus mit Signalverstärkung. Aquaporin-4-IgG-Antikörper waren negativ, ebenso virologische und bakteriologische Untersuchungen des Liquors. Oligoklonale Banden waren im Liquor, aber nicht im Serum nachweisbar. Die Autoren schließen daher nicht aus, dass sich bei der Patientin im weiteren Verlauf möglicherweise eine durch COVID-19-getriggerte demyelinisierende Erkrankung manifestiert. Als Ursache der ON ziehen sie aber auch Ischämien im Kapillarstromgebiet des Sehnerven als Folge SARS-CoV-2-assoziierter prothrombotischer Wirkungen oder eine direkte Schädigung durch das Virus in Betracht.

[1] Rodríguez-Rodríguez MS, Romero-Castro RM, Alvarado-de la Barrera C et al.: Optic neuritis following SARS-CoV-2 infection. J Neurovirol. 2021 Mar 23:1–5. doi: 10.1007/s13365-021-00959-z. Epub ahead of print.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7986141/

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