Rituximab und SARS-CoV-Impfung: Mit den ersten peripheren B-Zellen kommt auch die Antikörperantwort

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Auch wenn eine B-Zell-depletierende Therapie mit dem anti-CD20-Antikörper Rituximab (RTX) die humorale Immunantwort nach Impfungen beeinträchtigt, sollte dies kein Hinderungsgrund sein, auch Menschen unter RTX-Therapie gegen COVID-19 zu impfen. Untersuchungen bei 74 Patientinnen und Patienten unter RTX-Therapie konnten jetzt belegen [1], dass selbst jene mit sehr niedriger B-Zell-Zahl unter 1% nach zweimaliger Impfung mit einer mRNA-Vakzine nachweisbar Antikörper bilden. Noch wichtiger: 58% bauen – unabhängig von der B-Zell-Zahl – eine robuste T-Zell-Antwort auf.

B-Zellen sind wichtig für die humorale Immunität. Therapien wie Rituximab, die B-Zellen depletieren, können nicht nur den Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion verschlechtern. Sie gefährden auch den Impferfolg. Um die Impfantwort auf eine COVID-19-Vakzinierung zu verbessern, kann es bei Patientinnen und Patienten mit stabiler Grunderkrankung gerechtfertigt sein, die nächste RTX-Gabe hinauszuzögern, bis es zu einer Repopulation von B-Zellen im peripheren Blut kommt. Diesen Schluss ziehen Medizinerinnen und Mediziner aus Österreich aus einer Studie, in der sie die humorale und zelluläre Immunantwort nach Impfung mit den mRNA-Vakzinen von BioNTech und Moderna bei Menschen unter RTX-Therapie mit denen bei 15 Kontrollpatienten verglichen haben [1].

Die mit RTX behandelten Patientinnen und Patienten aus der Rheuma-Ambulanz des Universitätsklinikums in Wien waren im Schnitt rund 72 Jahre alt, 77% waren Frauen. Sie erhielten den Antikörper vornehmlich wegen einer rheumatoiden Arthritis oder Kollagenosen, weitere Indikationen waren Vaskulitiden und IgG4-vermittelte Erkrankungen. 57% der Betroffenen hatten eine Begleitmedikation mit konventionell-synthetischen Disease Modifying Antirheumatic Drugs (csDMARD) wie Methotrexat, Mycophenolatmofetil, Hydroxychloroquin oder Leflunomid, und 30% nahmen niedrig-dosiertes Prednisolon ein.

Blut für die Untersuchungen der Immunantwort wurde im Durchschnitt 21 Tage nach der zweiten Impfdosis entnommen. Zwischen der letzten RTX-Gabe und der ersten COVID-19-Impfung waren im Mittel 6,9 Monate vergangen.

Während die Kontroll-Patientinnen und -Patienten durchweg Antikörper gegen die Rezeptor-bindende Domäne (RBD) des SARS-CoV-2-Spike-Proteins bildeten, taten dies nur 39% der mit RTX behandelten Patientinnen und Patienten. Dabei korrelierten Antikörper gegen SARS-CoV-2-Spike-RDB signifikant mit neutralisierenden Antikörpern. Das spricht für den Aufbau einer schützenden Immunantwort.

Ferner korrelierten Antikörperbildung und B-Zell-Zahl im peripheren Blut. So entwickelte mit einer einzigen Ausnahme keiner der Studienteilnehmenden ohne zirkulierende CD19-positive B-Zellen spezifische Antikörper. Letztere wurden aber nachweisbar, sobald sich die B-Zellen auch nur ein wenig erholten. Insgesamt hatten 51% der Patientinnen und Patienten nachweisbare B-Zellen. Bei ihnen lag die Serokonversionsrate bei 74%. Ob sie zusätzlich csDMARD einnahmen oder nicht, machte statistisch keinen signifikanten Unterschied bei den erzielten Antikörperspiegeln.

Die SARS-spezifische T-Zell-Antwort wurde mit Hilfe eines Interferon-gamma-ELISA-Spots quantifiziert. Der Aufbau einer T-Zell-Antwort gelang unabhängig von der B-Zell-Zahl und der humoralen Immunität bei 58% der Patientinnen/Patienten. Begleitmedikationen, eine Prednisolon-Einnahme oder deren Dosis sowie das Alter der Patienten machten hierbei keinen Unterschied.

Letztlich kann eine Impfung also auch dann gelingen, wenn sich die B-Zellen unter Rituximab noch nicht erholt haben.

[1] Mrak D, Tobudic S, Koblischke M et al. SARS-CoV-2 vaccination in rituximab-treated patients: B cells promote humoral immune responses in the presence of T-cell-mediated immunity Annals of the Rheumatic Diseases. Published Online First: 20 July 2021.

https://ard.bmj.com/content/early/2021/07/19/annrheumdis-2021-220781

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