Risiko immunvermittelter neurologischer Ereignisse nach SARS-CoV-2-Infektion höher als nach COVID-19-Impfung

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Eine populationsbasierte Analyse verglich die Inzidenzen immunvermittelter neurologischer Ereignisse in Kohorten von über 8 Millionen SARS-CoV-2-Geimpften und über 700.000 Ungeimpften mit SARS-CoV-2-Infektion mit den Hintergrundinzidenzen bei über 14 Millionen Personen der Allgemeinbevölkerung. Im Ergebnis fanden sich bei SARS-CoV-2-Infizierten erhöhte Inzidenzen für Fazialisparese, Enzephalomyelitis und Guillain-Barré-Syndrom, nicht aber nach COVID-19-Impfung.

In einer populationsbasierten Vergleichsstudie [1] aus UK und Spanien wurden mit der SCCS-Methode („Self-Controlled-Case-Series-Methode“) anhand von Primärversorgungs- und Hospitalisierungsdaten die Assoziation zwischen COVID-19-Impfstoffen oder SARS-CoV-2-Infektion und dem Risiko immunvermittelter neurologischer Ereignisse untersucht. 8.330.497 Personen, die mindestens eine Dosis eines COVID-19-Impfstoffes erhalten hatten, wurden eingeschlossen (ChAdOx1-S/AstraZeneca n=4.376.535, BNT162b2/Biontech-Pfizer n=3.588.318, mRNA-1273/Moderna n=244.913 und Ad.26.COV2.S/Johnson & Johnson n=120.731). Die Studie umfasste auch eine Kohorte von 735.870 Ungeimpften mit einer positiven SARS-CoV-2-PCR sowie 14.330.080 Personen der Allgemeinbevölkerung. Erfasst wurden die Inzidenzen von Fazialisparese, Enzephalomyelitis, Guillain-Barré-Syndrom und transverser Myelitis in den 21 Tagen nach der ersten Impfung, 90 Tage nach der positiven SARS-CoV-2-PCR und in der Allgemeinbevölkerung zwischen 2017 und 2019 (Hintergrundraten).

Im Ergebnis entsprachen die postvakzinalen Inzidenzraten für Fazialisparesen, Enzephalomyelitis und Guillain-Barré-Syndrom den erwarteten bzw. den Hintergrund-Raten der Allgemeinbevölkerung.Nach COVID-19-Infektion fanden sich hingegen höhere Inzidenzen als erwartet. So betrug die standardisierte Inzidenzrate in UK für Fazialisparesen 1,33; für Enzephalomyelitis 6,89 und für das Guillain-Barré-Syndrom 3,53. Die transverse Myelitis war so selten (<5 Ereignisse in allen Impfkohorten), dass sie nicht bewertet werden konnte.

Zusammenfassend wurden keine Sicherheitssignale für COVID-19-Impfstoffe beobachtet – bei COVID-19-Erkrankten dagegen war jedoch ein erhöhtes Risiko für immunvermittelte neurologische Ereignisse zu verzeichnen.

[1] Li X, Raventós B, Roel E et al. Association between covid-19 vaccination, SARS-CoV-2 infection, and risk of immune mediated neurological events: population based cohort and self-controlled case series analysis. BMJ 2022 Mar 16; 376:e068373

https://www.bmj.com/content/376/bmj-2021-068373.long

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