Risiko für SARS-CoV-2-Reinfektionen vor allem bei älteren Menschen

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Auch Menschen mit durchgemachter SARS-CoV-2-Infektionen sollten geimpft werden, vor allem wenn sie älter sind. Umfangreiche PCR-Untersuchungen in Dänemark [1] lassen darauf schließen, dass nach durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion zwar insgesamt ein 80 %iger Schutz vor einer Reinfektion besteht. Aber bei Menschen ab 65 Jahren resultierte nur eine Schutzwirkung von 47 %. Querschnittsdaten aus Wuhan in China [2] zufolge entwickelten 7 % der dortigen Bevölkerung bis Mitte April 2020 Antikörper gegen SARS-CoV-2. Nur 40 % davon hatten aber tatsächlich auch neutralisierende Antikörper.

Zu wissen, in welchem Maße und für wie lange eine SARS-CoV-2-Infektion schützende Antikörper erzeugt und wie wahrscheinlich eine Reinfektion ist, ist wichtig für die Impfstrategie. Zwei bevölkerungsbasierte Beobachtungsstudien liefern dazu jetzt neue Erkenntnisse.

Dänische Wissenschaftler werteten die Daten der mehr als 500.000 Menschen aus, die in der ersten Infektionswelle vor Juni 2020 mittels PCR auf SARS-CoV-2 getestet worden waren [1]. Über 11.000 (2,2 %) hatten ein positives Testergebnis. Davon hatten 72 Personen (0,65 %) in der zweiten Welle von September bis Dezember 2020 erneut einen positiven PCR-Test. Von den Testnegativen aus der ersten Welle hatten 3,27 % in der zweiten Welle einen positiven Test.

Neben diesen Testergebnissen während der ersten und zweiten Welle wurden auch die Daten einer Kohorte von fast 2,5 Millionen Menschen ausgewertet. Diese wurden unabhängig vom initialen Testergebnis durchgehend bis zum Jahresende 2020 verfolgt. Es wurden 138 Reinfektionen beobachtet. Niemand infizierte sich mehr als zweimal. Während die Infektionsraten bezogen auf 100.000-Personen-Tage-Nachbeobachtung bei Jüngeren zwischen 4-6 lagen, waren sie bei Menschen ab 65 Jahren mit 8 signifikant höher. Insgesamt wurde die Schutzwirkung einer durchgemachten Infektion für Ältere auf nur 47 % geschätzt.

Unterschiede in der Schutzwirkung zwischen den Geschlechtern ergaben sich nicht. In einer Subgruppe von im Gesundheitswesen tätigen Menschen hatten diese zwar eine doppelt so hohe Infektionsrate wie die Allgemeinbevölkerung. Ansonsten waren die Untersuchungsergebnisse aber ähnlich. Immerhin ergaben sich insgesamt keine Hinweise, dass die Schutzwirkung nach sechs Monaten nachließ.

Auch Studienergebnisse aus China, bei denen die Antikörperantworten von rund 9.500 Menschen aus 3.500 Familien aus Wuhan untersucht wurden [2], deuten darauf hin, dass ohne Massenimpfungen keine Herdenimmunität zu erreichen ist. Jeweils Mitte April 2020, Mitte Juni und zwischen Oktober und Dezember wurde die Immunantwort bestimmt, einschließlich der IgA-, IgM- und IgG-Antikörper gegen SARS-CoV-2-Nucleocapsid-Protein und neutralisierender Antikörper. Die initiale Antikörperprävalenz betrug insgesamt 7 %. Über 80 % der Teilnehmer mit SARS-CoV-2-Antikörpernachweis hatten nach eigenen Angaben keine COVID-19-Symptome gehabt. Die Spiegel neutralisierender Antikörper nahmen zwar im Verlauf nicht wesentlich ab. Doch waren diese letztlich nur bei 40 % der seropositiven Patienten nachweisbar.

[1] Hansen CH, Michlmayr D, Gubbels SM et al.: Assessment of protection against reinfection with SARS-CoV-2 among 4 million PCR-tested individuals in Denmark in 2020: a population-level observational study. Lancet. 2021 Mar 17:S0140-6736(21)00575-4.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33743221/

[2] He Z, Ren L, Yang J et al.: Seroprevalence and humoral immune durability of anti-SARS-CoV-2 antibodies in Wuhan, China: a longitudinal, population-level, cross-sectional study. Lancet. 2021 Mar 20;397(10279):1075-1084.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33743869/

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